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Aachen: Uniklinikum hilft wieder vielen kleinen Herzen

Aachen : Uniklinikum hilft wieder vielen kleinen Herzen

Mit der Hilfe von zwei international erfahrenen Experten will das Universitätsklinikum Aachen wieder in die erste Liga der deutschen Herzzentren aufsteigen.

Seit Beginn diesen Jahres kümmert sich die belgische Kinderkardiologin Marie-Christine Seghaye gemeinsam mit dem spanische Herzchirurgen Jaime Vazquez-Jiminez speziell um die ganz jungen Patienten. „In den vergangenen Jahren konnten wir in der Kinderherzchirurgie lediglich eine Akutversorgung gewährleisten”, erklärt Henning Saß, der Ärztlicher Direktor des Hauses.

Der Hintergrund: Nach der Emeritierung des erfolgreichen Professoren-Duos Bruno Messmer und Götz von Bernuth im Jahr 2001 war die Kinderherzchirurgie zunächst ohne Führung geblieben. „Wir müssen in Aachen viel Aufbauarbeit betreiben, doch die Voraussetzungen sind hier nahezu ideal”, meint die neue Direktorin der Klinik für Kinderkardiologie, Marie-Christine Seghaye.

Die 45-jährige Chefärztin arbeitete nach ihrem Medizinstudium in Lüttich unter anderem im Uniklinikum Aachen, dem Centre Chirugical Marie Lannelongue in Paris sowie am Deutschen Herzzentrum in München.

Angeborene Herzfehler

„Wir profitieren in Aachen von der Zusammenarbeit mit Spezialisten aller wichtigen Fachbereiche”, so Seghaye, deren Spezialgebiet die nicht-operative Behandlung von angeborenen wie erworbenen Herzerkrankungen ist. Rund ein Prozent aller Neugeborenen in Deutschland - jährlich etwa 6000 Säuglinge - kommt mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. 2000 dieser Kinder müssen noch vor Vollendung ihres ersten Lebensjahres operiert werden.

„Die Lebenserwartung unserer Patienten ist im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich gestiegen”, sagt Seghaye. So erreichten heute im Durchschnitt 85 Prozent aller Kinder mit Herzfehlern das Erwachsenenalter - im Jahr 1950 gelang dies nur jedem vierten.

Dennoch sterben bei schweren Herzfehlern noch immer 35 Prozent der kleinen Patienten. „Ein Grund sind die besonderen Schwierigkeiten, mit denen wir bei einer Operation von Säuglingen konfrontiert werden”, sagt Professor Jaime Vazquez-Jiminez. So könnten lediglich Kinder ab einem Körpergewicht von 1500 Gramm bei der Operation mit einer Herz-Lungen-Maschine beatmet werden.

„Furchtbare Zeit”

„Das ist oftmals eine furchtbare Zeit des Wartens für alle Beteiligten”, so Vazquez, der vor seinem Ruf an das Uniklinikum bereits in Sevilla, Birmingham/USA und Göttingen tätig war. Als sein wichtigstes Ziel nennt der Herzchirurg deshalb die Entwicklung einer miniaturisierten Herz-Lungen-Maschine für Frühgeborene.

Das Uniklinikum biete dafür alle Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit der Klinik für Kinderkardiologie und dem Institut für Biomedizinische Technologien sei vorbildlich. Vazquez: „Ich gehe zu den Ingenieuren und sage: ,Bau mir so etwas’ - und es klappt!” Ein wichtiger Vorteil des Aachener Herzzentrums sei daneben das Konzept der „kurzen Wege”, welches für Mutter und Kind gleichermaßen wichtig sei. „Das Haus steht den Eltern 24 Stunden am Tag offen, nach Möglichkeit trennen wir den Säugling nicht mehr von der Mutter”, erklärt Professor Seghaye.