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Würselen: „Unglaublich magische Momente”

Würselen : „Unglaublich magische Momente”

Dieses sensationelle Konzert hatte seinen ganz eigenen Zauber. Beginnen wir mit dem Ende: „Danke! Danke! Danke!”, staunt Dee Dee Bridgewater das entfesselte Publikum auf Burg Wilhelmstein an, das nach über zwei Stunden stehend applaudiert.

„Sie haben mich heute Abend auf eine Art inspiriert - Sie haben keine Ahnung!” und dann das wohl größte Kompliment, das ein Künstler seinem Publikum machen kann: „Ganz aufrichtig: Für mich persönlich war dies das beste Konzert, das wir mit diesem Programm hatten! Welch ein unglaublicher, magischer Moment!”

Das Publikum in der gut besuchten Freilichtbühne war jedenfalls vollends verzaubert von der 55-Jährigen, die ihr jüngstes Album mit elf der schönsten französischen Chansons „Jai deux amours” komplett präsentierte.

Und welch ein Auftritt. Begleitet von ihrer hervorragenden Band, beginnt die großartige Vokalistin mit Josephine Bakers Welthit von 1931 „Jai deux amours”. Für Bridgewater mehr als nur ein Cover. Es ist Ausdruck ihrer Vielseitigkeit: Sie ist die Jazzsängerin, die auch in der Musicalwelt ein gefeierter Star war; die Amerikanerin, die nach Paris ging und dort ein Star wurde.

Kein Wunder, dass dieses Programm voller berühmter, wichtiger Chansons, das sich über zehn Jahre bis zur Vollendung hinzog, der Sängerin so am Herzen liegt. Brel, Piaf, Leo Ferré, Gilbert Becqaud, Sascha Distel, Charles Trenet, Claude Nougaro - Bridgewater verehrt sie wirklich. Und das lässt sie ihr Publikum mit jedem Ton, jeder Geste, jedem Blick spüren.

Sie strahlt nicht nur übers ganze Gesicht, sondern auch eine Energie aus, die begeistert. Afroamerikanische Leichtigkeit gepaart mit französischer Eleganz. Eine Stimme zum Niederknien. Sie singt hoch, sie singt tief, sie zischt, jubiliert, improvisiert. Sie bewegt.

In das wohl beste und berühmteste Lied Jacques Brels, „Ne me quitte pas” packt sie die ganze Zerrissenheit des Verlassenen. Sie bittet, jammert, schreit, sie singt flehend, kraftstrotzend und rotzig. Bridgewater, zu Recht als eine der großen Diven des Jazz verehrt, hat so gar keine Attitüden: Bescheiden wirkt sie, und bescheiden geht sie bei jedem Solo ihrer ausgezeichneten Band zur Seite, überlässt das Scheinwerferlicht Ira Coleman am Bass, Patrick Manouguian an der Gitarre, Minino Daray (Schlagzeug und Percussions) und Marc Berthoumieux am Akkordeon.

Jeder darf ausgiebig zeigen, dass er ein Meister an seinem Instrument ist. Und gemeinsam zaubern die Musiker aus den altbekannten Chansons durch ihr Arrangement feinste Perlen hervor. Aus Valse musette wird Jazz, „La mer” wird gar als fetzige Samba geboten. Und nach über zwei Stunden, nach einer herzergreifenden Fassung des wohl am meisten in der Jazzszene interpretierten Chansons, nach Edith Piafs „La vie en rose”, geht die Band von der Bühne.

Dee Dee Bridgewater jedoch bleibt noch für eine letzte Zugabe: „Amazing Grace”, a cappella. Ein magisches Konzert.