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Aachen: Unbeschwerter Abend mit Witz und Esprit

Aachen : Unbeschwerter Abend mit Witz und Esprit

Glänzende Opernpremiere im Theater Aachen in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule: Cimarosas „Die heimliche Ehe“. Freude, Optimismus und Stolz waren dem jungen Ensemble der Hochschule für Musik Köln, Standort Aachen, beim jubelnden Schlussapplaus ins Gesicht geschrieben. Und diese Gefühle waren berechtigt.

Die talentierten Musikstudenten auf und vor der Bühne des Theater Aachen hatten mit Domenico Cimarosas 1792 in Wien uraufgeführtem Werk „Il Matrimonio Segreto“ (Die heimliche Ehe) eine luftig leichte, nie schlüpfrig polternd auftrumpfende Opera Buffa zum Leben erweckt, die den begeisterten Besuchern einen unbeschwerten Abend mit Witz, Esprit und guter Laune bescherte.

Die Sorgfalt, mit der Dekan Herbert Görtz die Musiker im Orchestergraben präpariert hat, lässt sich nicht überhören. Es wird offen und klar musiziert, und die Freude, im großen Rahmen das eigene Können zeigen zu dürfen, ist den gesamten Abend ohne Spannungsverlust hörbar. In der gelungenen Regie von Ulrike Jühe und im zauberhaft bunt ausgeleuchteten Bühnenbild von Pia Janssen, das mit Schaukel und liebevoll korrekter Schrebergartenatmosphäre die heile Welt der kleinen Probleme symbolisiert, agiert eine Sängerschar mit ausgeprägten Persönlichkeiten und markant timbriertem Stimmpotenzial.

Die Hauptpartie der Kaufmannstochter Carolina ist bei Hannah Morrison bestens aufgehoben. Charmant bezaubert ihr frischer lyrischer Sopran. Ihr Bühneninstinkt für die passende Mimik und Gestik zur rechten Zeit erzielt professionell Wirkung — eine zukünftige „Figaro“-Susanna? Carolinas geheimer Ehemann, der Handelsgehilfe Paolino, ist für Andrés Felipe Orozco ebenfalls eine sehr gut passende Rolle. Mit seinem leicht und offen ansprechenden Tenor und der verzweifelten Komik eines Woody Allen beeindruckt er neben dem Publikum auch die reich verwitwete Tante im Kaufmannshaushalt Fidalma, die Hee-Jeung Wortberg-An besonders in den exponiert ruhigen Passagen mit schönem Alt ausstattet.

Ursache für das ganze Versteckspiel ist Herrn Geronimos Beschluss, seine Töchter adlig verheiraten zu wollen. Momtschil Karpatscheff kann stolz auf seinen rund und groß strömenden Bariton sein, mit dem er diesen „Bürger als Edelmann“ ausstattet. Sein noch nicht ganz homogenes Rhythmusgefühl ist sicher korrigierbar, ebenso wie bei dem mächtig auftrumpfenden Graf Robinson von Sebastian Joest, der mit stimmgewaltig angelegtem Bass den anvisierten Bräutigam für Carolinas Schwester Elisetta als urkomischen Camping-Freak im distinguierten Lord-Outfit charakterisiert. Elisetta, das kräftig essende und schikanierende Pummelchen, das keiner heiraten mag, liegt Birgit Deckers superb in der Kehle.

Auch bei dieser etwas dramatischer angelegten Sopranstimme sind Rhythmusgefühl, Timbre und Bühnenpräsenz geprägt von konzentrierter Natürlichkeit. Dem Gruppenbild der glücklichen Paare darf sich selbstverständlich Anvar Abdikakharov zugesellen, der mit seiner wachen und gelegentlich mit witzigen Musikzitaten versehenen Cembalobegleitung als „Spiritus Rector“ das Geschehen beeinflusst. Die Tradition, gegen Ende der Spielzeit eine Opernproduktion von Hochschule und Theater Aachen zu realisieren, hat sich erneut als ein zukunftsweisender Volltreffer bewiesen, den das Publikum jubelnd honorierte.