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Aachen: Überwältigende Klangschönheit

Aachen : Überwältigende Klangschönheit

Erlesene Klänge frühbarocker Musik hallten durch den in goldener Pracht erstrahlenden Aachener Dom beim 27. Benefiz-Konzert zur Erhaltung des Doms. Die Veranstalter Michael und Michaela Wirtz hatten ein glückliches Händchen bei der Verpflichtung der Künstler dieses Konzertes bewiesen.

Mit dem Dresdener Kammerchor und dem Dresdener Barockorchester unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann präsentierte sich eine Formation von internationaler Klasse, die in ihrem Programm einem Komponisten huldigte, der den größten Teil seines Lebens in Dresden verbracht hatte: Heinrich Schütz, der erste deutsche Komponist von europäischem Rang.

Der hatte während seiner Lehrjahre in Venedig bei Giovanni Gabrieli die venezianischen Mehrchörigkeit erlebt und führte sie nach seiner Rückkehr in Deutschland ein. Als Opus 2 entstanden die Psalmen Davids, eine Sammlung von Motetten, Konzerten und Canzonen für zwei, drei und vier Chöre mit Instrumentalbegleitung ad libitum, von denen eine Auswahl zu hören war.

Schütz gab zur Instrumentalbesetzung selber nur bei wenigen Stücken sparsame Empfehlungen. So war es in das Ermessen des Dirigenten Hans-Christoph Rademann, des designierten Nachfolgers von Helmuth Rilling als Leiter der Stuttgarter Bach-Akademie, gestellt, wie er die verschiedenen Klangblöcke besetzte.

Das Ergebnis war von überwältigender klanglicher Intensität und Schönheit. Der in allen Stimmen hervorragend besetzte Dresdner Kammerchor erwies sich als ein Ensemble von großer Homogenität, der die Klangsprache und den hohen Affektgehalt von Schützens Musik überzeugend zur Geltung brachte.

Die Musiker des Dresdner Barockorchesters, neben wenigen Streichern besetzt mit Zinken, Dulcian und Posaunen, im continuo mit Theorben und Orgel, standen ihren vokalen Kollegen in nichts nach, musizierten differenziert und trotz der Kälte im Dom mit erstaunlicher Intonationssicherheit.

Wie gut der Dresdner Kammerchor individuell besetzt ist, das bewiesen die fünf Chorsolisten, die ihren als Solisten im Programm angegebenen Kollegen Dorothee Mields, David Erler, Georg Poplutz und Stephan MacLeod im Hinblick auf Stimmqualität und stilistische Versiertheit kaum nachstanden.

Hans-Christoph Rademann führte sein auf ständiger Wanderschaft befindliches Ensemble souverän durch alle Klippen des Zusammenspiels. Der einzige Wermutstropfen war dabei, dass man wohl aus technischen Gründen auf die von Schütz geforderte räumliche Trennung der verschiedenen Klanggruppen verzichten musste und sich somit der erzielte Raumklang in Grenzen hielt. Ansonsten ein in jeder Hinsicht denkwürdiges Konzert von überragender Qualität.