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Aachen: Über 100 Stimmen für die Sommernacht

Aachen : Über 100 Stimmen für die Sommernacht

Ein schöner, warmer Sommerabend, die prickelnde Atmosphäre einer spannenden Aufführung und ein gut gestimmtes Publikum: Mit „A night of the opera” wird gleich beim Auftaktabend der Kurpark Classix 2008 am 15. August ein musikalischer Bogen von Verdi über Wagner bis zu George Gershwin geschlagen.

Wenn Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch den Taktstock hebt, blickt er nicht nur auf das Sinfonieorchester, sondern auch auf 100 Sängerinnen und Sänger, die sich aus Opernchor und Sinfonischem Chor zum „Kurpark-Classix-Sonderchor” verbunden haben.

Als Solisten werden die Sopranistinnen Michaela Maria Mayer und Melba Ramos sowie der Bariton Kevin Short dabei helfen, das höchst anspruchsvolle Programm zum Klingen zu bringen.

Die schon fast zwingende Ouvertüre des Abends wird Felix Mendelssohn-Bartholdys, von Elfen und Kobolden wimmelnde Komposition „Ein Sommernachtstraum” sein. Große Arien aus „Gianni Schicchi”, „Don Carlos”, „Rigoletto”, „Madame Butterfly” und „Lucia di Lammermoor” münden schließlich in die eindrucksvolle und empfindsame musikalische Sprache eines großen Amerikaners.

George Gershwin (1898-1937), Sohn russischer Einwanderer, schrieb sein Werk „Porgy and Bess” nach Texten von DuBose und Ira Gershwin, seinem älteren Bruder, als „folk opera”, als „Oper des Volkes”, denn sie erzählt vom Lebenskampf, von Liebe, Hass, Leidenschaft und Angst, Guten und Bösen, in der „Catfish Row”, einer Wohnstraße für Schwarze, Bettler und Kriminelle.

1935 am Broadway uraufgeführt, war „Porgy and Bess” nicht von Anfang an ein Erfolg. „Man kann schon eher sagen, dass die Oper trotz der großartigen durchgefallen ist”, weiß Chordirektor Frank Flade. „Das lag sicher auch daran, dass hier Schwarze im Vordergrund standen.”

Die Konzertsuite aus der Oper, die bei den Kurpark Classix zur Aufführung kommt, ist geradezu ideal, um sie mit guten Chorstimmen auf die Bühne zu bringen. „Titel wie „Summertime´ sind weltberühmt, das sorgt von Anfang an für begeisterte Zuhörer”, betont Flade, der getrennt mit Opernchor und Sinfonischem Chor die Suite einstudiert hat.

„Wer eher Klassisches gewöhnt ist, muss sich an die speziell amerikanische Stilistik, die zum Beispiel mit anderen Harmonien arbeitet, erst gewöhnen”, berichtet der Chorleiter. Dabei hält er die Mischform aus Oper, Musical und Filmmusik für die ideale sinfonische Unterhaltung an einem Ort wie dem Kurpark.

„Der Text hat seine Tücken, das englische Original ist im typischen Dialekt der Schwarzen geschrieben, das müssen die Chöre berücksichtigen”, verrät Flade. Hilfreich war die Tatsache, dass gerade der Opernchor international besetzt ist. „Eine wichtige Unterstützung, denn nur so hat das Gesungene auch den richtigen Klang.”

Für die Chöre ist der Abend auf der Open-Air-Bühne eine willkommene Herausforderung. „Wir freuen uns darauf”, betont Anne Lafeba, Mitglied im Opernchorvorstand. „Die gute Stimmung der Menschen, die da auch locker beim Picknick im Gras sitzen können, erreicht uns auf der Bühne und sorgt dafür, dass wir uns besonders wohl fühlen.”

Kleine Kritikpunkte: „Es ist zusammen mit dem Orchester für uns alle eng dort oben, und ein paar Podeste mehr wären auch gut”, sagt sie aufgrund der Erfahrung des Vorjahres. Selbst als Konzersuite empfinden die Sängerinnen und Sänger „Porgy and Bess” als sehr „bewegt”. „Das Licht ändert sich, das Klangspektrum ist groß und nicht zuletzt die Tontechnik sorgt dafür, dass auch leise Stellen gut zu hören sind”, so die Sopranistin. „Da brauchen wir weder Kostüme noch Aktionen.”

Für Frank Flade beginnt nun langsam die Phase der Feinabstimmung. „Ich arbeite mit den Stimmgruppen getrennt, das ist sehr effektiv”, erzählt er von seiner Arbeit, wobei nicht nur das große Gershwin-Werk, sondern auch ein Einsatz bei der Wahnsinns-Arie von Donizettis „Lucia di Lammermoor” vorbereitet sein muss, bei der Michaela Maria Mayer die Solistin ist. Nur eine Frage ist noch offen: Wie werden sich die Damen und Herrn der Chöre für „A night at the Opera” kleiden? Festlich schwarz? Bunt? Straßenkleidung? „Das verraten wir noch nicht”, sagt Flade. „Das wird eine Überraschung.”

Das Programm der Kurpark Classix