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Aachen: Trostpflaster von Lauterbach für Allergologen

Aachen : Trostpflaster von Lauterbach für Allergologen

Trostpflaster für die Allergologen: Ulla Schmidts Berater Karl W. Lauterbach brachte es zum Fachkongress nach Aachen mit. Vehement hatten die Fachärzte Kritik an Plänen geübt, Kinder unter fünf Jahren beim Disease-Management-Programm „Asthma bronchiale” nicht zu berücksichtigen.

„Da ist noch nichts entschieden”, beschwichtigte der Kölner Gesundheitsökonom - allerdings nicht ohne einen Seitenhieb gegen die Allergologen. Lauterbach: „Der Vorschlag, die Grenze bei Fünfjährigen zu ziehen, ist aus ihren eigenen Reihen gekommen.”

Im Rahmen von Disease-Management-Programmen soll die Behandlung von chronisch Kranken besser gesteuert werden. Bei Allergie- und Asthmaerkrankungen wird das Programm nach der Prognose von Lauterbach aber erst ab 2006 greifen.

Grabenkämpfe

Dafür machte der Experte auch die Grabenkämpfe zwischen Fachärzten und Allgemeinmedizinern verantwortlich: „Es geht immer noch nicht darum, wie behandelt wird, sondern wer behandelt.” Der Kampf um die Krankenkassenbudgets tobt. Die Allergologen und Kinderärzte wollen mehr vom Kuchen, fühlen sich in den Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen ausgebremst.

Lauterbach gab ihnen unter dem Beifall des gut gefüllten Plenums unerwartet Rückendeckung: „Die Allergologie gehört zum unterversorgten Bereich. Hier muss mehr geschehen.” Das hörten auch Andrea Wallrafen und Ingrid Voigtmann gerne. Die Vertreterinnen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes forderten zudem eine bessere Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten, die in vielen Fällen unzureichend sei. Dr. Josef Wenning, Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen mahnte an, dass die Behandlung von Asthmapatienten für Budgetierungen nicht geeignet sei. Und er fürchtet Praxisschließungen im großen Stil.

Rudolf Henke, stellvertretender Vorsitzender des Marburger Bundes und MDL/CDU glaubt, dass die Patienten „im Geflecht der verschiedenen Facharztgruppen den Überblick verlieren”. Als Sprecher der Krankenhausärzte kämpft er für mehr Chancengleichheit innerhalb der Ärzteschaft.

Einig waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion, die von unserem Redakteur Robert Esser geleitet wurde, in der entscheidenden Frage: Das Gesundheitssystem braucht neue - von Löhnen und Gehältern abgekoppelte - Einnahmequellen. Wieder Beifall aus dem Plenum.

Ärztechef Jörg-Dietrich Hoppe und der Vizechef der Kassenärzte, Dr. Leonhard Hansen - im Programm des Abends angekündigt - waren wegen anderer wichtiger Termine verhindert.

Am Sonntag geht der Allergie-Kongress, der unter der Präsidentschaft von Professor Hans F. Merk und Dr. Frank Friedrichs rund 1200 Fachmediziner nach Aachen lockte, mit einem Aktionstag fürs interessierte Publikum zu Ende.