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Aachen: Trauer um Guido Kreutz

Aachen : Trauer um Guido Kreutz

Die Redaktion der „Aachener Nachrichten” trauert. Guido Kreutz ist tot. Mit ihm verlieren wir einen einzigartigen Kollegen und einen wundervollen Menschen. 35 Jahre lang prägte er als politischer Journalist das Profil unserer Zeitung entscheidend mit.

Guido Kreutz, das war der wache Beobachter, den das Gespür für Themen und Nachrichten selten trog; der brillante Schreiber, der Kritik so formulieren konnte, dass sie traf, aber nie verletzte; der kluge Analytiker, der Kompliziertes erklären konnte, ohne zu vereinfachen. Und das alles mit einer Geschwindigkeit, die selbst im hektischen Zeitungsgeschäft außergewöhnlich ist.

Ein Kämpfer, ein Missionar war er nicht. Aber wenn er kommentierte, folgte Klartext. Dabei gegen den Strom zu schreiben, bereitete ihm, dem notorisch zuversichtlichen Skeptiker, besondere Lust.

Für Generationen junger Kollegen war „der Guido” Lehrer und Lektor, grenzenlos hilfsbereit, geduldig, bescheiden, großzügig, gänzlich uneitel und von einem geradezu lexikalischen Wissen. Dabei bis zuletzt neugierig, offen und beneidenswert jung im Kopf.

Fragt man Menschen, die Guido Kreutz nahe standen, so fällt immer wieder ein Wort: Toleranz. Den anderen so zu lassen, wie er ist, war ihm keine bemühte Haltung, sondern gelebte Selbstverständlichkeit. Er hat beraten, wenn man darum bat, doch bewertet hat er nie. Das hatte eine Menge mit Respekt zu tun und noch mehr mit tiefer, kluger Einsicht. Leere Phrasen, schnelle Antworten waren Guido Kreutz stets zuwider. Er setzte sich lieber hin und hörte zu - auch stundenlang.

Wir erinnern uns an den Genussmenschen, der Frankreichs Küsten so liebte wie Frankreichs Küche, den Weinfreund, den Flohmarktbummler, den Sammler, den Katzenliebhaber, den passionierten Sandalenträger und den begnadeten Bastler, der mit einem Schraubenzieher und einer aufgebogenen Büroklammer selbst hoffnungslose Fälle lösen konnte.

Wir erinnern uns an den „gelernten Katholiken” und Bibelkenner, der mit der Kirche so seine liebe Mühe hatte, den Glauben dennoch nie verlor, der sein Viertel und sein Aachen liebte und den schönen Dom ganz besonders.

Guido Kreutz war ein hinreißender Erzähler mit legendärem Witz, sein Sinn für die Absurditäten des Alltags phänomenal. Er mochte das Kleine, Skurrile, das Abseitige und Schräge. Daraus konnte er wunderbar komische Sätze zaubern, immer wieder und immer wieder neu.

Vor einem Jahr, kurz nach seiner Pensionierung, erkrankte er schwer, und bald wurde klar, dass die Ärzte ihn nicht würden heilen können. Seine Krankheit hat er mit der ihm eigenen Gelassenheit ertragen, die die Grenze zum Fatalismus mehr als nur berührte. „So ist das, wenn man auf das Sterben wartet”, sagte er unlängst zu einem Freund.

Am Donnerstag hatte das Warten für ihn ein Ende. Guido Kreutz wurde 64 Jahre alt.
Ihn gekannt zu haben, war ein Glück.

Georg Müller-Sieczkarek