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Aachen: Till Brönner: Jazz wird für Pop-Fans tauglich

Aachen : Till Brönner: Jazz wird für Pop-Fans tauglich

Dass der Jazz nichts mit dem Trallala für die Massen zu tun hat, ist schon lange bekannt. Dass er sich aber in einer schweren Krise befindet, zeigt sich momentan besonders deutlich an gähnend leeren Clubkonzerten.

Was tun? Der Trompeter Till Brönner scheint den goldenen Mittelweg zwischen Clubtauglichkeit und Massenkompatibilität gefunden zu haben. Im fast ausverkauften Aachener Jakobshof spielte er vor gut 350 Zuschauern.

Er bietet inzwischen eine neue Ästhetik

Eigentlich sollten ihm die naserümpfenden Puristen dankbar sein. Holt er doch den Jazz aus den verrauchten Clubs und katapultiert ihn in die Gehörgänge von Popfans. Komplexe Rhythmen von verlebten Ex-Junkies sind passé. Mit Brönner tritt eine neue Jazz-Ästhetik auf den Plan.

Und die macht schlicht Spaß. Funk- und RnB-Rhythmen standen im Vordergrund seines aktuellen Programms „Blue Eyed Soul”, das im Jakobshof zu 90 Prozent aus Titeln seines gleichnamigen Albums bestand.

Härter und vorantreibender als in der Studioversion, geriet gleich die erste Nummer des Abends, Brönners Hommage an die Post-Fusion-Generation des Jazz, „No Fusion Generation”.

Mit Moog-Synthesizer und den Scratches des DJs Samon Kawamura versehen, unterstrich Brönner einmal mehr sein Können, den Jazz zeitgemäß klingen zu lassen.

So erscheinen Kompositionen wie „Diavolo” oder „Love Somebody” eher wie Songs mit Freiraum für Improvisationen statt wie komplexe Gebilde.

Und songdienliches Spielen verlangt letztlich von seinen hochkarätigen Musikern wie Drummer Wolfgang Haffner, Keyboarder Roberto DiGiola und Gitarrist Bruno Müller weitaus mehr Konzentration als wilde Improvisationen.

Nein, bei Brönner und Band geht es nicht um bloße Technik, sondern darum, Emotionen zu transportieren.

So spielte sich im Jakobshof keiner der sechs Musiker in den Vordergrund, sondern fügte sich durch subtile, aber effektvolle Soli in die Hauptingredienz des Abends ein: den Groove.

Und wenn der Sänger Brönner zum Mikro greift, wie in „Tub of love”, drückt er damit mindestens genauso viel emotionale Intensität aus, wie mit seinem Hauptinstrument, der Trompete.

Dass er damit mindestens Weltklasse ist, wurde vor allem im Titelstück „Blue Eyed Soul” deutlich, in dem er als Solist mit den anderen Musikern plauderte, stritt und sich zum Ende hin wieder versöhnte. Brönner lässt den Jazz wieder nachvollziehbar, menschlich klingen.

Das wurde ihm nach gut 100 Minuten mit frenetischem Jubel vom Aachener Publikum gedankt.