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Aachen/Schleiden: „Tickende Zeitbombe” auf der Anklagebank

Aachen/Schleiden : „Tickende Zeitbombe” auf der Anklagebank

Wieder hieß es von Seiten der psychiatrischen und psychologischen Sachverständigen vor dem Aachener Schwurgericht in Richtung eines Angeklagten: Dieser Mann ist eine „tickende Zeitbombe”. Das stellte Gutachter Professor Eckart Michael Steinmeyer am Freitag zusammenfassend fest.

Bereits im Jahr 2003 waren solch bedrohliche Einschätzungen an gleicher Stelle im so genannten „Tom und Sonja”-Prozess zu hören, als es um die psychologische Beschreibung der Täter ging. Damals, im Frühjahr 2003, fiel das Eschweiler Geschwisterpaar zwei völlig gefühllosen und nur mit dem eigenen Inneren beschäftigten Männern zum Opfer - ein auch nach aufwühlenden Prozesstagen noch unerklärliches Szenario für viele Beobachter.

Jetzt ist es wieder so. Die Wirtin des Gasthauses „Köpi” mitten in Schleiden schilderte dem Gericht plastisch, dass sie ihrem Gast, dem 37-jährigen Angeklagten Mike G., nur wenige Minuten nach der Tötung des Taxifahrers nichts angemerkt habe. Auch nicht, als in der Kleinstadt schnell „rum” war, dass der in Schleiden bekannte und beliebte 43-jährige Taxifahrer, der für einen kleinen Zuverdienst für die Familie fuhr, an den 21 Messerstichen draußen im Wald jämmerlich gestorben war.

Gefühlskalt, antriebslos, dissozial, eine gering ausgeprägte Gewissensinstanz - das ergaben psychologische Tests. Auf der anderen Seite eine Intelligenz im oberen Durchschnitt, im Praktischen sogar eine außerordentliche Begabung. Gutachterin Dr. Constanze Jankowski, die den Angeklagten als „voll schuldfähig” klassifizierte, stellte eine schlechte Prognose: Er bleibe immer ein Risiko.