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Köln: „Thriller - Live”: Die vielen Facetten einer Ikone

Köln : „Thriller - Live”: Die vielen Facetten einer Ikone

Nach Mitternacht. Der Vollmond steht groß und rund am Himmel. Nebel wallt auf. Im Hintergrund die düsteren Silhouetten von Grabsteinen. Entsetzt sieht ein junger Mann in schwarzroter Lederjacke und roter Hose, wie die Untoten das Erdreich verlassen. Im fahlen Licht nahen sie heran.

Zerlumpte Gestalten mit Totenköpfen, schlenkernden Gliedmaßen und fratzenhaften Minen. Sie umzingeln ihn. Und er beginnt zu tanzen. Er tanzt um sein Leben.

Nach zweieinhalb Stunden (mit Pause) ist das der Höhepunkt der Show, die jetzt im Kölner Musical Dome ihre umjubelte Premiere erlebte. Sie heißt „Thriller”, so wie jene Platte, die Michael Jackson 1982 veröffentlichte und die das meistverkaufte Album aller Zeiten werden sollte.

Als Mensch war Jackson (1958-2009) nicht über jeden Zweifel erhaben, aber als Künstler wegweisend. „Thriller” zeichnet die Stationen dieser Karriere nach, die beispiellos ist und 40 Jahre währte. Die Show macht nicht den Fehler, eine Ikone verkörpern zu wollen. Stattdessen wird deren immenser Facettenreichtum dargestellt.

Sechs Michael Jacksons bevölkern die Bühne. Je nach Stück in Gestalt eines Kindes (anrührend: Sterling Williams), einer Frau (Hayley Evetts mit überragender Stimme) oder eines Weißen (Peter Elridge).

Und auch, wenn die Hautfarbe stimmt, wie bei den Sängern Ian Pitter (der auch als Erzähler fungiert) und Dwayne Wint oder dem fantastischen Haupt-Tänzer Richard „Ricko” Frederic Baird Junior, geht es nicht darum, eine perfekte Imitation abzuliefern.

Und anders als bei Cover-Shows wie „Abba-Mania” oder der Beatles-Hommage „Rain” entwickeln auch die Songs durchaus eigene Klangfarben. „Thriller - Live” begeistert nicht nur aufgrund der großartigen Stimmen und Tänzer und der unglaublich agilen Akrobation Hollie Victoria Robertson, sondern auch, weil die Show tatsächlich live gespielt wird. Von sechs wunderbaren Musikern, die sich meistens hinter der Wand verbergen, auf die Szenen aus Jacksons Leben, Video-Einspielungen und Hintergründe projiziert werden.

In zwei Akten gibt es insgesamt 33 Stücke. Angefangen von den ersten Erfolgen, die Jackson ab 1966, da war er gerade sieben Jahre alt, mit seinen vier Brüdern („Jackson 5”) erlebte, über die Zeit, als ihm der Durchbruch als eigenständiger Künstler gelang, bis hin zum Mega-Star-Kult der 1980er und 1990er. So wird jedem einzelnen Zuschauer im Musical Dome klar, wie sehr „Jackos” Karriere auch Teil der eigenen Lebensgeschichte ist.

„Thriller - Live” ist noch bis bis Sonntag, 11. Oktober, im Kölner Musical Dome zu sehen. Shows: dienstags bis freitags 20 Uhr, samstags 16 und 20 Uhr, sonntags 15 und 19 Uhr. Im Anschluss weitere NRW-Gastspiele in Düsseldorfer Capitol Theater (13. bis 25. Oktober ) sowie in der König Pilsener Arena Oberhausen (26. Dezember bis 3.Januar).