„Salome“ in Mönchengladbach: Fade Inszenierung, packende Sänger

Theater Mönchengladbach : Schleiertanz im Hinterhof

Zum Saisonstart inszeniert Anthony Pilavachi Strauss’ „Salome“ am Theater Mönchengladbach kühl. Erotik brodelt im Graben und in Sängerkehlen. Dorothea Herbert singt eine mitreißende Titelpartie.

Zur Spielzeit­eröffnung behauptet das Theater Mönchengladbach mit der Neuinszenierung von Richard Strauss’ „Salome“ seinen Anspruch, im Konzert der großen und mittleren Häuser der Region mithalten zu können. Das Dreispartenhaus, das trotz prekärer Finanzlage der beteiligten Städte Krefeld und Mönchengladbach mit einer millionenschweren Budgeterhöhung auch in den kommenden Jahren gesichert wirtschaften kann, stemmt eine der interessantesten und anspruchsvollsten Partituren des beginnenden 20. Jahrhunderts weitgehend mit hauseigenem Personal.

Mit Anthony Pilavachi kehrt nach seinem „Freischütz“ (2005/07) ein renommierter Regisseur zurück, der mit Ausstatter Markus Meyer ganz der Kraft der Musik vertraut. Und die musikalische Qualität ist äußerst bemerkenswert.

Fade Inszenierung

Für die Titelpartie hat Operndirektor Andreas Wendholz mit Dorothea Herbert eine wunderbare Strauss-Interpretin neu ins Ensemble geholt. Ihre Salome strahlt in herrlich lichten Registern, die verteufelt anspruchsvolle Partie scheint nirgends gefährdet, im Gegenteil: Die Münchnerin steigert scheinbar nach Belieben die emotionale Kraft der Herodes-Tochter, die mit ihrer pubertären Sinnlichkeit die Hofgesellschaft um jegliche Contenance bringt. Auch David Esteban, als Narraboth erstes Opfer der Femme fatale, fügt dem Ensemble eine neue, jugendliche Tenorfarbe hinzu – schlackenlos, ungemein fokussiert, von bestechender Musikalität. Markus Petsch gibt als Gast einen stimmlich ungemein prägnanten Herodes. Mitreißend, geradezu packend legt Bariton Johannes Schwärsky die Jochanaan-Partie an. Sein Auftritt aus dem Kellerloch gehört zu den Höhepunkten.

Nun wollen Pilavachi und Meyer ihre „Salome“ im Fin de Siècle sehen, der Entstehungszeit der Oper. Der Palast des Herodes ist in der radikal an die Rampe gebauten zweigeschossigen Bühne mit sieben goldenen Türen in der Beletage gekennzeichnet, hinter denen sich ein Spiegelsaal auftut. Ort der Handlung aber ist ein grauer Hinterhof mit Mülleimern und leeren Weinkisten, in dessen Mitte sich das Kellerloch für den eingekerkerten Propheten auftut. In dieser unwirtlichen Atmosphäre verdreht Salome in silbrigem Glitzerkleid den Männern den Kopf, der Sekt fürs Fest kommt durch die Kellertür, für den Schleiertanz werden ein paar Statistinnen aufgeboten, die mit schwarzen Wedeln vor der nicht sonderlich biegsamen Salome herumfuchteln.

Erotisch, lasziv, skandalös ist jedenfalls nichts an dieser Inszenierung. Diesen faden Gesamteindruck verscheucht auch der finale Schuss nicht, den Salome auf Herodes abfeuert. Ein Gag, über den Strauss’ Musik, der ungemein motivierte Niederrheinische Sinfoniker unter GMD Mihkel Kütson nach Kräften Prägnanz verleihen, unangetastet hinwegrauscht. Großer Beifall.

Weitere Vorstellungen 8., 19. Oktober, 9. November, 19., 27. Dezember. Karten gibt es beim Kundenservice des Medienhauses Aachen.