Ludwig Forum Aachen: Leiter Andreas Beitin verlässt das Haus

Andreas Beitin geht: Leiter des Ludwig Forums verlässt Aachen

Andreas Beitin, seit 2016 Leiter des Ludwig Forums in Aachen, verlässt das Haus zum 31. März und nimmt eine neue Aufgabe an. Das teilte die Stadt Aachen am Dienstag mit. Zuletzt hatte es massive Kritik am finanziellen Gebaren Beitins gegeben.

Andreas Beitin hat in den vergangenen Wochen mehrfach öffentlich von sich und dem von ihm geleiteten Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen reden gemacht. Mit zwei bemerkenswerten Auszeichnungen und gleichzeitig mit heftiger Kritik durch die Stadt an seinem Umgang mit städtischen Geldern. Nun geht er, früher als geplant: Er steigt aus seinem Vertrag mit der Stadt Aachen, der noch bis Januar 2020 gelaufen wäre, vorzeitig Ende März aus und geht an ein anderes Haus. Das teilte die Stadt Aachen gestern Nachmittag mit. Am Ende hängt sein vorzeitiger Weggang mit dem Lob und der Kritik zusammen. Und die Stadt Aachen hat die schwere Aufgabe vor sich, möglichst schnell einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Beitin zu finden.

Im November war das Ludwig Forum Aachen zum „Museum des Jahres“ gekürt worden, und die von Beitin maßgeblich konzipierte 68er-Schau „Flashes of the Future“ erhielt den Titel „Ausstellung des Jahres“. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass mit diesen Auszeichnungen das öffentlich sichtbar wurde, was in Fachkreisen längst bekannt war: Beitins Expertise für den Umgang mit hochkarätigen Sammlungen und Ausstellungen mit gesellschaftspolitischen Bezugspunkten. Andere Museen waren längst auf ihn aufmerksam geworden. Seit eineinhalb Jahren habe er immer wieder Anfragen erhalten, sagte Beitin gestern. Er habe sie immer abgelehnt.

Doch dann bekam das Verhältnis zur Stadt Risse. Der Streit um seinen Umgang mit städtischen Geldern kulminierte in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses, in dem der Kunsthistoriker sich für überschrittene Budgets und zu hohe Ausgaben bei Auftragsvergaben rechtfertigen und Fehler einräumen musste.

Dass dieser Streit nicht ohne Einfluss auf seine Entscheidung war, gab Beitin am Dienstag auf Anfrage unumwunden zu: „Es gab gewisse Reibungsverluste, die dazu beigetragen haben, das ich ein verlockendes Angebot angenommen habe.“ Mitte 2019 werde er eine Leitungsfunktion an anderer Stelle übernehmen. Wo das sein wird, sagte er gestern nicht. Eine entsprechende Veröffentlichung des neuen Arbeitgebers soll nach Beitins Aussage um den Jahreswechsel herum erfolgen. Bis dahin habe er absolutes Stillschweigen mit seinem neuen Arbeitgeber vereinbart. „Die jetzt zugesagte Aufgabe stellt für mich ein sehr attraktives Tätigkeitsfeld dar, auf das ich mich freue“, sagte er. Er treffe dort auf attraktive Rahmenbedingungen. Das Haus sei ähnlich groß wie das Ludwig Forum, genieße aber eine größere Aufmerksamkeit. Das Ludwig Forum verlasse er mit Blick auf das engagierte Team allerdings auch mit Wehmut, sagte er. Er sei auch dankbar für die große Unterstützung durch die Ludwig Stiftung und Förderer der Hauses und die Partner, die er im Laufe der Zeit für das Haus gewinnen konnte.

Die Nachricht von Beitins Weggang nahmen Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Kulturdezernentin Susanne Schwier am Dienstag mit großem Bedauern, aber auch mit Verständnis zur Kenntnis. „Andreas Beitin hat sich in der Zeit seines Wirkens um das Ludwig Forum sehr verdient gemacht“, sagte Philipp. Kulturdezernentin Schwier ergänzte, dass Beitin das Haus an der Jülicher Straße weiter geöffnet und für neue Publikumsschichten erschlossen habe. „Das ist ihm mit den Ausstellungen, die unter seiner Regie gelaufen sind, geglückt.“ Aber auch mit eher unkonventionellen Veranstaltungen wie zum Beispiel dem „Geometry Lab“, einer Kooperation mit der RWTH Aachen, habe er publikumswirksame Akzente gesetzt.

Beitins letzte große Ausstellung am Ludwig Forum Aachen wird am 21. Februar eröffnet. Sie heißt „Lust der Täuschung – von antiker Kunst bis zu Virtual Reality“ und ist von ihm zusammen mit der Hypo-Kulturstiftung in München konzipiert worden.

Dort läuft die Ausstellung seit August und hat bereits fast 200.000 Besucher angezogen. Sie wird in München als „intelligente Unterhaltung für die ganze Familie“ beworben. Mit Beispielen aus Malerei, Skulptur, Video, Architektur, Design, Mode und mit interaktiver Virtual-Reality-Kunst biete die Ausstellung einen spannenden Parcours durch die (Kunst-)Geschichte von Schein und Illusion. Künstler hätten stets die neuesten Möglichkeiten angewandt, um ihr Publikum auszutricksen und mit ihrer Kunstfertigkeit zu verblüffen.

Mal sehen, ob die Kunstinteressierten in der Region bei der Nachfolge Beitins mit einer schnellen Berufung verblüfft werden.

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