Doppelausstellung in Aachen: Kunstwerke, die der Betrachter aktiv verändern soll

Doppelausstellung in Aachen: Kunstwerke, die der Betrachter aktiv verändern soll

Der Aachener Günther Beckers stellt nach über 40 Jahren noch einmal öffentlich in der Heimat aus. Seine variablen Farbflügelbilder sind ein Novum in der Kunstgeschichte. Und zu den Vernissagen der Doppelausstellung bringt er einen ganz besonderen Jazzklarinettisten mit.

Die Farbflügelbilder von Günther Beckers sind ein kunsthistorisches Novum. Teilweise hängen die Flügel beweglich neben dem Bild. Der Betrachter kann das Werk verändern, in dem er diese Flügel verändert. Durch Umhängung entwickeln sich ständig neue Bilder im Bild. Wer ihn und seine Werke kennenlernen will, hat dazu in einer Doppelausstellung Gelegenheit, die Freitag und Samstag in Aachen eröffnet wird. Bei beiden Vernissagen wird der Jazz-Klarinettist Theo Jörgensmann spielen, der an der Renaissance der Jazzklarinette in den 1980er Jahren beteiligt war und als ein herausragender Solisten auf diesem Instrument gilt.

Mit dieser Doppelausstellung präsentiert sich Beckers erstmals nach über 40 Jahren wieder in seiner Heimatstadt. Der Künstler hatte in Düsseldorf studiert und vor allem in Skandinavien Erfolge gefeiert, sich dann aber in Aachen in sein privates Künstlermuseum zurückgezogen. Die Erneuerung der Künste ist ein großes Thema des Aacheners, der als Künstler gleichzeitig Malerei und Musik vorantreibt.

In der Bischöflichen Akademie und der Galerie Am Elisengarten präsentiert Beckers mehrere neue Werkgruppen. Für ihn ist Malerei „in Zustand versetzte Materie“. Entschieden entstehen die teils gewaltigen Formate mit dem „Klang des Pinselschlags“, wie Beckers es nennt. Er arbeitet entschlossen, es geht schnell. Das Wichtigste für ihn ist: Es gibt kein letztes Bild. Immer kommt dank der variablen, schmalen Farbflügel, die umgehängt werden können, der Faktor Zeit ins Bild. Kunst ist zeitaufwendig – für den Künstler und den Betrachter. „Günther Beckers ist ein sehr empathischer Maler“, sagt Andreas Petzold, Galerist. „In seiner Malerei gibt es kein Zaudern, sondern nur Entschiedenheit und Klarheit. Für mich ist er ein Maler der Königsklasse.“

Vier jeweils 1,85 x 18,85 Meter große Gemälde mit dem Titel „Visionen eines Paradieses der Sehnsucht“ bilden den Auftakt der Ausstellung im Foyer der Bischöflichen Akademie. Wie dschungelartig bewaldete grüne Inseln scheinen die Paradiese in himmelblauen Wassern zu schweben, um die Betrachter in friedvolle Welten zu entführen.  Die gewaltigen Quadrate sind drehbar, um sich wie die variablen Flügelbilder ständig neu und anders zu präsentieren.

Eine weitere neue Werkgruppe, die gezeigt wird, umfasst zwölf farbintensive Gemälde namens „Sinfonischer Raum“, die in der Kapelle der Akademie links und rechts des Altars gehängt werden. Weitere Arbeiten umfassen Duplexzeichnungen, Skizzen, Formatspiegelungen und Portraitvariationen.  Beide Ausstellungen präsentieren jeweils etwa 40 Arbeiten.

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