Festival Theaterstarter in Aachen und Ostbelgien

Kinder- und Jugendtheater : Der Poltergeist trifft die Zeitdiebe

Aufregende Angebote für Junge Menschen beim Festival Theaterstarter in der Region und Ostbelgien eine bunte 17. Spielzeit. Für die Kleinen wird das Nähkästchen geöffnet, die Großen diskutieren Zeitfragen.

Es wird spannend, wenn jemand aus dem Nähkästchen plaudert, und genau das passiert beim diesjährigen Kinder- und Jugendtheater Festival Theaterstarter in der Region Aachen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Das Projekt von „Kultur im Westen“ geht in die 17. Spielzeit.

Von Anfang an dabei: Sigrid Kerinnis und Marianne Lohmer, Organisatorinnen und längst Expertinnen für Kinder- und Jugendangebote in unterschiedlichen Genres von Licht und Klang, Puppen- und Häschen-Geschichten für die Kleinsten bis zur interaktiven Aktion mit jungen Erwachsenen, die sich über Themen wie Geschlechtergleichheit oder rechtsradikale Strömungen Gedanken machen.

Gruppen aus ganz Deutschland

„Theater ist wichtig“, betont Sigrid Kerinnis. „Für Kinder und Jugendliche, aber auch für deren Eltern. Das sind häufig prägende Ereignisse.“ Und so gehen Theatergruppen aus ganz Deutschland in Kitas und Gemeindesäle, Schulen und Dorfhäuser, um das magische Phänomen „Theater“ allen Generationen nahezubringen. „Die erste Theateraufführung ist für Kinder ein Erlebnis“, sagt Marianne Lohmer. „Wenn sie größer werden, wird sie dieses besondere Gefühl begleiten.“

Zehn Projektpartner hat Theaterstarter rundum, in Aachen sind es sogar zwei. Rund 80 Aufführungen stehen auf dem ausgeklügelten Spielplan, 17 beteiligte Theater und Ensembles zeigen 21 unterschiedliche Stücke, bei denen man sich an Kinder aller Altersgruppen wendet – von drei bis 18 Jahren.

Es gilt, mit einem Gesamtbudget von 136.800 Euro (im Vorjahr 135.200 Euro) auszukommen, das sich aus der Förderung des Landes NRW (Regionale Kulturpolitik), Mitteln der F. Victor Rolff-Stiftung, Einnahmen und dem Anteil der Projektpartner zusammensetzt. „Wir freuen uns, dass die Deutschsprachige Gemeinschaft unser Partner geblieben ist und sich besonders aktiv zeigt“, betont Marianne Lohmer.

In Heimbach hat die Internationale Kunstakademie die Kita, den bisherigen Partner, abgelöst. Übach-Palenberg hat den Kreis der Projektpartner verlassen – es heißt, aus personellen Gründen.

Neu in dieser Saison ist das „Theaterstarter-Spiel“, bei dem sich jeder bewerben kann. Man will damit jene erreichen, die noch zögern, Theateraufführungen in Gemeinderäume und Schulen zu holen. Zur Auswahl stehen zwei Stücke und Theatergruppen: Unites Puppets aus Berlin zeigt für die Kleinen in „Zinnober in der großen Stadt“, wie wichtig Farben sind, um zufrieden und fröhlich zu leben. Theater.Treibkraft regt Jugendliche dazu an, sich selbst die Frage zu stellen: „Bin ich rechts?“. Wer sich in einer Mail an info@kulturimwesten.com – Stichwort „Starter-Spiel“ meldet und sich als Lehrer, Kita-Mitarbeiter oder Eltern für eins der Stücke interessiert, kann für „seine“ Einrichtung eine Aufführung gewinnen.

Nach „Bin ich rechts?“ bietet das Theater.Treibkraft in dieser Spielzeit erneut eine aktuelle Thematik als Klassenzimmer-Format an. „(m-w-d) Männlich-Weiblich-Divers“ stellt Gender-Frage und Akzeptanz der Geschlechter zur Diskussion. Die Aktiven der Berliner Theaterszene gehören zu den erfahrensten Theatermachern in Deutschland. „Sie entwickeln so eine Aufführung als Erlebnis für alle, da kann sich niemand entziehen“, sagt Marianne Lohmer.

Selbstbewusst und glücklich werden

Es ist für jeden etwas dabei – das beginnt mit den jüngsten Zuschauern, die etwa das „Weihnachten beim kleinen Hasen“ mit dem Figurentheater Couturier feiern, oder in die musikalische Geschichte um „Iggi Poltergeist“ eintauchen, in der es eine „Bommelmaschine“ und eine „Gespensterkiste“ gibt. Das Aachener Das Da Theater reiht sich mit „Der Grüffelo“ sowie „Ben & Becca“ ein. Beide Familienstücke sollen Kindern helfen, selbstbewusst und glücklich zu werden. „Nur keine Angst“ ist die Botschaft im Kinder-Klassiker „Der Grüffelo“, ganz neu: „Ben & Becca“, ein Stück für Kinder ab sechs Jahren, das sie emotional sensibilisieren soll. Wann und wie sagt man „nein“, wann spüre ich, dass Grenzen überschritten werden, und wie wehre ich mich rechtzeitig?

Gesellschaftliche Themen

Drängende gesellschaftliche Fragen gehören zu Theaterstarter: In „Welcome. Aber…!“ nimmt das Theater La Senti Menti Schulkinder mit in das Leben von Malika, die als Flüchtling in Deutschland lebt und es etwa in ihrer Schulklasse nicht leicht hat. „Ich lieb Dich“ – was bedeutet das? Wo sind die Unterschiede. Münchner Theatermacher suchen Antworten. Wie lieben sich Freunde? Lebenspartner? Geschwister? „Greta“, das Junge Theater am Grenzlandtheater Aachen, geht noch einen Schritt weiter. In „Patricks Trick“ ist in der Familie ein Geschwisterchen „unterwegs“. Es wird behindert sein. Wenn bei „Die Zeitdiebe“ Nicole Gospodarek auf der Suche nach dem „geteilten Augenblick“ ist, könnte ihr Stück zugleich Motto des Theaterfestivals sein. Oder eben die Plauderei aus dem Nähkästchen, das die Erzählerin Nicole Weißbrot vom Theater LaKritz real öffnet, um von „Hase und Igel“ zu berichten – für Zuschauer ab drei Jahre und alle anderen.

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