Jubiläen, Uraufführungen und große Namen: Die NRW-Theatersaison startet

Jubiläen, Uraufführungen und große Namen : Die NRW-Theatersaison startet

An den Theatern startet die neue Spielzeit, die Proben beginnen. Mit Frank Castorf inszeniert einer der bekanntesten deutschen Regisseure in Köln. In Bielefeld feiert sich die Uni mit einem modernen Theaterstück.

An den Theatern beginnt die neue Spielzeit, vielerorts in Nordrhein-Westfalen haben die Proben begonnen. Die Häuser zeigen etliche Uraufführungen, besondere Stücke mit aktuellem Bezug und natürlich Klassiker. Das Schauspielhaus Düsseldorf feiert in dieser Saison das 50-jährige Bestehen seines markanten, denkmalgeschützten Theatergebäudes. In Bielefeld hat die Universität zu ihrem 50. Jubiläum ein Stück schreiben lassen.

Nordrhein-Westfalen hat 18 kommunale und vier Landestheater. Das Schauspielhaus in der Landeshauptstadt ist ein Sonderfall, es wird je zur Hälfte von Stadt und Land getragen. Viele Hunderttausend Menschen kommen jedes Jahr in die Theater. In der Spielzeit 2016/2017 besuchten laut Theaterstatistik 845 000 Zuschauer in NRW die Sparte Schauspiel. Das Kinder- und Jugendtheater kam auf fast eine halbe Million.

Am Bochumer Schauspielhaus, das am Ende der vergangenen Saison von den Kritikern zum Theater des Jahres gekürt wurde, beginnt Intendant Johan Simons sein zweites Jahr. Die traditionsreiche Bühne startet mit einer Arbeit von Karin Henkel, sie inszeniert „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth (Premiere 3.10.).

Gerade wurde Sandra Hüller (41) aus dem Bochumer Ensemble von „Theater heute“ zur Schauspielerin des Jahres gekürt; sie ist unter anderem in „Hamlet“ zu sehen. Später in der Spielzeit übernimmt Jens Harzer die titelgebende Hauptrolle im Tschechow-Drama „Iwanow“ unter der Regie von Hausherr Simons (Premiere 18.1.2020). Harzer ist seit diesem Jahr Träger des Iffland-Rings, der wohl größten Auszeichnung im deutschsprachigen Theater.

Das Schauspiel Köln startet mit dem mehrsprachigem Stück „Vögel“. Die moderne Version von Romeo und Julia schildert komplexe Familienverhältnisse vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts (Premiere 20. 9.). Die Regie übernimmt Intendant Stefan Bachmann. Das Drama „Aus dem bürgerlichen Heldenleben“ inszeniert mit Frank Castorf einer der bekanntesten deutschen Regisseure. Die satirische Familienchronik spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Premiere 17.1. 2020).

Der deutsch-türkische Schriftsteller Dogan Akhanli, der auf Antrag der Türkei 2017 zwei Monate nicht aus Spanien ausreisen durfte, hat ein Stück über die Zeit geschrieben. Seine Heimatstadt Köln bringt die „Verhaftung in Granada“ als Uraufführung (28.2.2020).

Das Schauspielhaus in Düsseldorf hat ein Thema in eigener Sache: Das lange renovierte Stammhaus mit der markanten, geschwungenen Fassade wird 50. Zur Feier kommt im Januar 2020 Bertolt Brechts „Leben des Galilei“ auf die Bühne, gespielt von Schauspieler Burghart Klaußner und in der Regie von Roger Vontobel. Als Uraufführung wird „Bungalow“ der jungen Erfolgsautorin Helene Hegemann gezeigt. Von Bestsellerautor Ferdinand von Schirach stammt das Stück „Gott“, das vom Berliner Ensemble und dem Schauspielhaus gleichzeitig uraufgeführt werden soll.

In Dortmund begibt sich Intendant Kay Voges in seiner zehnten und letzten Spielzeit mit dem gesamten Ensemble auf Spurensuche: In der Uraufführung „Play - Abriss einer Reise“ treffen sich Bühnenfiguren aus verschiedenen Stücken wieder. Filmische Mittel, für die Voges bekannt ist, sollen auch eingesetzt werden (Premiere 11.10.).

Als eines der ersten legt das Theater Bielefeld am 12. September los. Als Uraufführung kommt das Auftragswerk „Spin“ auf die Bühne: Die Universität hat es zu ihrem 50-jährigen Bestehen bei Autor David Gieselmann bestellt. Darin kommen vor eine betrügerische Biochemikerin, veruntreute EU-Gelder, Studenten und ein Uni-Präsident.

Diese ungewöhnliche Würdigung erklärte die Prorektorin der Universität, Angelika Epple, so: „Wir hatten den Eindruck, dass Wissenschaft und universitäres Leben einen eher geringen Anteil an Gegenwartsdramatik haben – angesichts von 40 Prozent eines Altersjahrgangs, die studieren“.

Mehr von Aachener Nachrichten