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Der neue Spielplan des Aachener Das Da Theaters

Aachener Das Da Theater blickt auf die Saison 2020/21 : Eine Spielzeit mit vielen Fragezeichen

Das Aachener Das Da Theater trotzt der Corona-Krise – mit neuen Spielstätten und einem bewährten Stücke-Mix. Die Spielzeit 2020/21 steht natürlich im Zeichen der Pandemie. „Ob wir ab dem 30. Mai, wie es das Land NRW erlaubt hat, schon wieder Kindertheater machen, wissen wir nicht sicher“, betont Intendant Tom Hirtz. „Es muss mehr denn je für uns wirtschaftlich sein, wenn wir spielen.“ Klar sei aber: Vor September werde es keine Vorstellungen für Erwachsene geben.

Nach 30 Jahren erfolgreicher Theaterarbeit in die Pleite? Das Aachener Das Da Theater sagt: Nein. Es trotzt der Corona-Krise und beweist dabei unter der Leitung von Hirtz und Maren Dupont eine Stärke, die Sponsoren, Förderverein und Fans so beeindruckt, dass sie ihre Hilfen verstärken und keine Abos kündigen. Und es entwickelt besondere Ideen, etwa Open-Air-Aufführungen der Produktion „Marlene“, die vor zwei Altenheimen stattfinden und vom Rotary-Club finanziert werden. „Wir sind buchbar, Anruf genügt“, sagt Hirtz, der am Freitag im Haus an den Liebigstraße den Spielplan der Saison 2020/21 vorstellte.

Die neue Spielzeit startet am 13. September mit der Wiederaufnahme des Musicals „Auf und davon“, das nach der Uraufführung vom Veranstaltungsstopp betroffen war. Diesmal wird der liebevoll restaurierte VW-Bulli auf die Bühne des Brüssel-Saals im Aachener Eurogress gehievt.

„Leider kommt uns die Stadt bei der Saalmiete nicht entgegen“, wirft Hirtz einen Blick auf die Kosten. Seit Jahren gibt es von Land NRW und Stadt Aachen sechs Prozent des Gesamtumsatzes als Zuschuss für das freie Theater. Das schmerzt – und in der Krisenzeit umso mehr. „Früher waren es 56.000 Euro, die wir von der Stadt erhalten haben. Das ist mittlerweile auf 40.000 Euro geschrumpft. Dabei bieten wir allein schon durch unsere theaterpädagogische Arbeit kulturelle Grundversorgung.“ Er fordert einen Kulturentwicklungsplan und angesichts subventionierter Mitbewerber mehr Gerechtigkeit.

„Hair“ auf Burg Wilhelmstein

Die geplanten Premieren der neuen Spielzeit lassen aufhorchen. „Zusammen ist man weniger allein“, eine Bearbeitung des Erfolgsromans von Anna Gavalda, prägt ab 19. November 2020 die erste Produktion im eigenen Haus. „Das Stück passt in diese Zeit. Es zeigt, dass Menschen in der Isolation nicht gut überleben können“, betont Hirtz. „Wie im Himmel“, die Adaption des gleichnamigen schwedischen Erfolgsfilms von Kay Pollak, steht dann ab 4. März 2021 auf dem Programm – eine Kooperation mit Sängerinnen und Sängern von Chören aus der Region.

Der Sommer auf Burg Frankenberg ist Vergangenheit. Neue Spielstätte der Freiluftproduktion wird Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg. „Wir können dort vor mehr Publikum auftreten, gleichzeitig ist der Ort wie für uns gemacht“, versichert Hirtz. Den Beweis will das Theater mit dem Kult-Musical „Hair“ (ab 3. Juni 2021) antreten.

Gemeinschaft und Freundschaft spielen auch bei den Kinderproduktionen eine Rolle – von „Oh, wie schön ist Panama“ über „Pünktchen und Anton“ bis zum Wiedersehen mit dem „Grüffelo“. Lieb gewonnene Spezialitäten lässt man sich nicht nehmen: Beim Theaterdinner (ab Oktober auf Gut Hebscheid) gibt es die „Offene Zweierbeziehung“ zum Fünf-Gänge-Menü, das Tanja Reich Quintett bestreitet ein Weihnachtskonzert (18./19. Dezember), und Kabarettist Moritz Netenjakob bringt beim „Ernsthaften Bemühen um Albernheiten“ im Mai 2021 Christoph Maria Herbst als Gast mit.

Im Kalenderjahr 2019 hat das Theater bei 519 Vorstellungen und knapp 64.000 Zuschauern eine Auslastung von 97 Prozent und einen Umsatz von 1,3 Millionen Euro erzielt. 84 Prozent resultierten aus Eigeneinnahmen, zehn Prozent aus Spenden, der Rest aus öffentlichen Zuschüssen. Dass die Zahlen im laufenden Jahr nicht so gut ausfallen werden, ist mehr als wahrscheinlich. Und wie die Spielstätten ausgelastet werden können, wird sich noch zeigen müssen. Die Option, mehr Aufführungen anzubieten, ist angesichts der eh schon hohen Taktung eher schwierig umzusetzen. Dem Das Da Theater steht eine Spielzeit mit vielen Fragezeichen bevor. Abos können ab sofort erworben werden.

www.dasda.de