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Das Musical "Auf und davon" im Aachener Das Da Theater

Kostenpflichtiger Inhalt: Musical „Auf und davon“ im Das Da Theater : Musikalischer Roadtrip zum eigenen Ich

Songs aus fünf Jahrzehnten, starke Darstellerleistungen und jede Menge Gefühl präsentiert das Aachener Das Da Theater in seiner Eigenproduktion „Auf und davon“. Das Musical wurde bei der Premiere begeistert gefeiert.

Kopfüber ins Leben, in ein neues Abenteuer. Für Layla (Tine Scheibe), eine junge hübsche Frau mit großen gefühlvollen Augen und viel Temperament, heißt es jetzt durchatmen und Opas „Bulli“ starten – Vollgas. Für Polizist Leon (Tobias Steffen) hingegen ist die Welt grau und kaputt, er ist ausgebrannt. Layla nimmt ihn als Anhalter mit, sie zanken und vertragen sich, rollen dabei in Richtung Portugal. Layla trägt sehr passend bunte Hippie-Garderobe, Leon eher nüchternes Grau (Kostüme Nadine Dupont).

Mit dem Musical „Auf und davon“ von Maren Dupont und Theaterleiter Tom Hirtz führt das Aachener Das Da Theater seine Tradition aufwendiger Musik-Events fort. Die Uraufführung der musikalischen Geschichte um zwei, später sogar drei Menschen hat Maren Dupont inszeniert.

Starke Partner sind dabei die Musiker rund um den musikalischen Leiter Christoph Eisenburger (Piano und Keyboard). Das raffinierte Bühnenbild von Frank Rommerskirchen bietet nicht nur in Silben getrennte Sehnsuchts- und Gefühlsworte wie „Ohn-Macht“ oder „Sehn-Sucht“, sondern auch Nischen. In einer davon spielt Eisenburger zusammen mit Tom Schreyer (Gitarre), Martin Löhrer (Bass) und Lukas Dahle (Schlagzeug) einen Song nach dem anderen – und als die Tür des schön restaurierten echten VW T2, Baujahr 1977/79, zuknallt, kann es nur einen geben: Iggy Pops unwiderstehlichen 1977er-Hit „The Passenger“, und alle Fußspitzen wippen mit.

Tine Scheibe singt und spielt mit professioneller Kraft, dynamisch, begeistert. In jeden Song legt sie ihr ganzes Herz. Tobias Steffen greift zur Gitarre, er kann wie seine Kollegin tanzen (Choreographie Josephine Wirtssohn) und seinen ganzen Schmerz in heftige Songs legen, ein Sänger mit guter Jazz-Stimme. Song folgt auf Song. Im Stück transportiert die Musik geschickt die Emotionen, lockert auf, vertieft alles, ob nun Layla mit Meat Loaf fleht „I Would Do Anything for Love“ oder Leon endlich, endlich Eric Claptons „Layla“ intoniert und das Konfetti aus Mark Forsters Hit „Chöre“ über Layla regnen lässt.

Konsequent und lebensnah

Maren Dupont hat die Charaktere in all ihren Feinheiten entwickelt, ihre Personenführung ist konsequent und lebensnah. Blicke, Zögern, Abwenden, Hinwendung, schließlich bei Leon neue Hoffnung, bei Layla die Erkenntnis, dass es andere Menschen vielleicht schwerer haben als sie. Mit Micha(ela) platzt im zweiten Teil eine ehemalige Freundin von Layla in die zerbrechliche Beziehung. Alina Arenz gibt ihr einen androgynen Touch im sexy Kampf-Outfit, eine kraftvolle, langbeinige Sängerin, stark in den Tanzszenen. Von ihr gehen Schärfe und Dominanz aus. War da mehr zwischen ihr und Layla? Leons Vertrauen ist dahin. Eifersucht, böse Worte. Das tut dem Stück nicht gut und eröffnet eine neue „Baustelle“. Völlig unnötig. Die sorgfältig aufgebauten Feinheiten treten in den Hintergrund. Beleidigt rauscht Micha ab. Leon und Layla entdecken endlich die Liebe für sich – und einen gemeinsamen Weg.

Ein vergnügliches Stück, gut gespielt, musikalisch hervorragend gestaltet. Alle Akteure werden völlig verdient gefeiert.