Das junge Grenzlandtheater spielt „Smack Cam“

Greta bringt „Smack Cam“ auf die Bühne : Wie Opfer und Zuschauer zu Tätern werden

Wer ist schuld, wenn eine Situation eskaliert? Und was hat sich an den Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen verändert, seitdem die weltweite Öffentlichkeit stets zuschaut? Ist die schuld, die zuschlägt?

Die, die sich nicht wehrt? Der, der filmt und das Video online stellt? Oder die, die das Video anschauen und teilen? Man muss nicht den Terroranschlag in Christchurch bemühen, um die Aktualität dieses Themas zu erkennen. Greta, die junge Bühne des Grenzlandtheaters, holt das Phänomen „Smack Cam“ mit dem gleichnamigen Theaterstück von Raoul Biltgen auf die Bühne. Am Dienstag war Premiere im Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium.

Alles fängt eigentlich mit einem vermeintlich harmlosen Spaß an: Das Mädchen im rosa Hasenkostüm (Maelle Giovanetti) hat Smack Cam – jemandem weißen Schaum oder Creme überraschend ins Gesicht klatschen, ihn dabei filmen und das Video anschließend online stellen – für sich entdeckt. Die eine von der Schule, die noch nie ungewollt Schaum im Gesicht hatte (Anna Möbus), wird ihr nächstes Opfer.

Doch der Hase hat nicht mit der Reaktion des Opfers gerechnet. „Sie schaut einfach nur.“ Und bittet sie am nächsten Tag auf die Toilette. Das Opfer wird zum Täter. Und alle, die drumherum stehen, lassen sich leicht zum Zuschlagen animieren oder halten das Ganze mit ihrer Handykamera fest.

Die drei namenlosen Protagonisten schildern im knackig-kurzen Einakter auf einer ziemlich versifften Schultoilette ihre Sicht auf den Vorfall. Erst ist es irgendwie noch lustig, schleichend gewinnt die Geschichte in der Inszenierung von Philip Schlomm an Brisanz. „Ohne mein Video gäbe es keine Beweise“, rechtfertigt sich der, der gerne den Spiderman gibt (Jan-Friedrich Schaper). „Wenn das Video nicht online wäre, wäre es nicht passiert“, meint der Hase. „Er hat nicht die Polizei gerufen mit seinem Handy. Er hat gefilmt“, beklagt die Schlägerin.

Das Bühnenbild suggeriert leider eine Brennpunktschule als Tatort, dabei ist Cybermobbing in jeder sozialen Schicht zu Hause. Dafür braucht es keine beschmierten WC-Türen.

Die Brisanz des Themas kommt bei den Elf- bis 15-Jährigen trotzdem an: Die Ebenen zwischen Opfern, Tätern, Mitläufern und Beobachtern verschwimmen. Grenzen – persönliche und gesellschaftliche – werden bewusst oder unbewusst überschritten. Was wiegt schwerer? Tausend Fragen ploppen auf. Die Antworten darauf können nicht eindimensional sein.

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