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Aachen: Theater lockt mit „Carmen”: Spielplan 2004/2005 setzt auf Publikumsmagneten

Aachen : Theater lockt mit „Carmen”: Spielplan 2004/2005 setzt auf Publikumsmagneten

Auf höchst anspruchsvolle Publikumsmagneten, die in geballter Form unübersehbar den Spielplan dominieren, setzt das Theater Aachen in seiner Spielzeit 2004/2005.

Bereits die Eröffnungspremiere ist ein klares Indiz dafür, dass man den Zuschauern kräftig Appetit machen möchte und dass Generalintendant Paul Esterhazy in seiner letzten Spielzeit nochmals alle Theater-Register ziehen wird.

Aktive Kooperation

„Der Rosenkavalier” von Richard Strauss, inszeniert vom bewährten Stammgast Didier von Orlowsky unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch - wer hätte dabei nicht die Hoffnung auf einen auch gesellschaftlich glanzvollen Abend, der seine Wirkung vielleicht ja auch auf die folgenden Monate ausweitet.

Stolz präsentierte am Dienstag Esterhazy die Pläne für die kommende Saison und damit das fünften, gemeinsam mit seinem Team erarbeiteten kreative „Mosaik”.

„Im Rückblick ist mir erneut klar, wie leistungsfähig und in höchstem Maße engagiert dieses Theater mit seinen 271 Mitarbeitern ist.” man sei im wahrsten Sinne des Wortes „in dieser Stadt angekommen”, freut sich über einen etwa 20-prozentigen Zuschauerzuwachs, über mehr Zuhörer in den Konzerten, wobei speziell die Familienkonzerte geradezu boomen.

Die drastische Einsparungsvorgabe der Stadt von 750.000 Euro wurde, so Verwaltungsdirektor Udo Rüber, mit aller Kraft erreicht. „Aber jetzt geht endgültig rein gar nichts mehr, Ende der Fahnenstange!”

Um so wichtiger sind Kooperationsvorhaben, die Esterhazy und Bosch auch intensiv betreiben - und das bereits zum Start. So ist „Der Rosenkavalier” eine Gemeinschaftsinszenierung mit dem Theater Lübeck. „Hier gibt es bestimmt keine Überschneidungen beim Publikum.”

Die Wirkung attraktiver Titel soll anhalten: Esterhazy selbst inszeniert George Bizets „Carmen” in der französischsprachigen Originalversion, Schauspieldirektor Michael Helle wird sich Mozarts „Die Entführung aus dem Serail” widmen und wer das berühmte Musical „Cabaret” von John Kander auf die Bühne bringt steht noch nicht fest - aber es kommt.

Im Reigen solcher „Lockvögel” hat dann auch Uraufführungen und Experimente ihren Raum: Barbara Beyer wird die Oper „Die Menschen” von Detlev Müller-Siemens nach einem Schauspiel des Aachener Autors Walter Hasenclever inszenieren.

Zum ersten Mal auf der Bühne wird auch Michael Gordons „Obituaries” („Nachrufe”) zu sehen und zu hören sein, eine Auftragsarbeit des Theaters, die der „Minimal Music” zuzuordnen ist.

„Aus acht Nachrufen, die in der Times abgedruckt waren, entsteht die Beschreibung eines Lebens”, erklärt Esterhazy. Der anerkannte New Yorker Komponist ist zudem ein Wunsch-Kandidat des Generalmusikdirektors.

„Wieder eine große Bewährungsprobe für alle”, betont Bosch. Verstärkt wird man sich regionalen Talenten widmen: „Neue Musik im Mörgens” ist eine Reihe, die mit Gottfried Steins „Else” (nach Gebrüder Grimm) startet, ein Werk des Stolberger Künstlers Norbert Walter Peters („mériterechkîma”) als „multimediales Rundumereignis” bietet und unter „Bach & Reudenbach” eine Annäherung des Aacheners Michael Reudenbach erlebbar machen will.

Beibehalten wird die Kooperation mit der Musikhochschule in Aachen, der man eine Produktion widmet. Und die Sponsoren? „Wir bleiben dran und wollen ein Modell entwickeln, das diesen Bereich systematisiert.”