Aachen: Theater K blickt mit „Utopia — Machina XXL“ in eine düstere Zukunft

Aachen : Theater K blickt mit „Utopia — Machina XXL“ in eine düstere Zukunft

Unerbittlich hämmert der metallische Rhythmus eines Industriewebstuhls im Halbdunkel der Maschinenhalle im Aachener Tuchwerk mit ihrer gewaltigen Batterie aus Produktionsanlagen. Diesen Giganten, den Relikten einer Welt, in der Menschen noch selbst zupacken und schwitzen durften, möchte man nicht zu nahe kommen. Bei „Utopia — Machina XXL“, einem ambitionierten Projekt von Mona Creutzer im Theater K, wird es bitterernst mit der Zukunft.

Der Verfall einer durch Technik verführten und euphorisierten Gesellschaft ist nahe. Als theatralischer Moderator einer grauen Story steigt Jochen Deuticke im roten Jackett auf einen der Kessel. Zynisch, sprachlich sehr klar, distanziert und informiert, begleitet er die Zuschauer durch einen heftigen Abend. Die Endzeit ist angebrochen, Leben flimmert nur noch in Videoinstallationen über die Wände.

Die Menschheit wird beherrscht von einer Maschine, „Machina XXL“, die jeden füttert, beatmet, beschäftigt und alles eliminiert hat, was Persönlichkeit ausmachen könnte. Regisseurin Mona Creutzer geht nah heran, zeigt eine Frau, grandios gespielt von Barbara Portsteffen — ausgehärtet wie ein Stück Metall, entleert, der Maschinen-Autorität ergeben. Sie hat einen Sohn, und es keimt eine urzeitliche Emotion auf, Mutterliebe? Trotz harscher Gegenwehr nimmt sie Kontakt zu ihm auf — das Ungeheuerliche: Sie besucht ihn. Er erweist sich als Rebell, der entdeckt hat, dass existieren nicht leben bedeutet. Norman Nowotko rührt in seinem verzweifelten Kampf um das Menschsein. Mutter und Sohn, beide mit Glatze, in grauen Sträflingsanzügen, können ihre tiefe Verbindung nicht leugnen. Angst keimt auf. Ein Gefühl? Ja, völlig unerwartet.

Spannend lenkt die Regisseurin ihre Gestalten bis zu einem krisenhaften Höhepunkt, lässt sie über Rollen, Zahnräder und Maschinenteile klettern, gefangen in „Machina XXL“, elend, schließlich panisch, weil die Versorgung nicht mehr klappt, die Menschen wie aufgespießte Schmetterlinge im System flattern. Gibt es noch Hoffnung? Mona Creutzer setzt Zeichen, selbst der hysterische Götzendienst für die Maschine zeigt, dass sich die spirituelle Sehnsucht des Menschen nicht abtöten lässt. Das System „kippt“, vielleicht ist ja doch noch ein Saatkorn übrig . . . Viel Applaus und ein nachdenkliches Publikum.

Termine bis 7. Oktober in der Maschinenhalle im Aachener Tuchwerk, Strüverweg 116. Karten beim Kundenservice des Medienhauses Aachen. Theater-Info: 0241/151155.

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