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Aachen: Theater K: Auf den Spuren der „Jacky-O“

Aachen : Theater K: Auf den Spuren der „Jacky-O“

„Ein Wunder, dass ein Bild wie ich sprechen kann!“ Sagt die glamouröse Dame mit der großen Sonnenbrille und dem Chanel-Kostüm, bevor sie mit einer Kopie ihrer selbst aus dem Bilderrahmen steigt. Jackie O., Ehefrau und Witwe des US-Präsidenten John F. Kennedy, erwacht im Aachener Ludwig Forum als bewegtes Kunstwerk zum Leben.

Das Theater K, bekannt für Aufführungen an ungewöhnlichen Orten, inszeniert dort das „Prinzessinnendrama Nr. IV“ von Elfriede Jelinek.

Regisseurin Mona Creutzer hat vier Stationen in den Ausstellungsräumen und Museumsgängen ausgewählt. Wie bei einer Museumsführung werden die Zuschauer zu den Orten des Geschehens begleitet, wo sie ihre Klappstühle jeweils neu positionieren. Jackie O. ist dort doppelt zu sehen: als sprechende Person (Laura Thomas) und als tanzendes Pendant (Simone El Mellouki-Riffi).

Die Rollen von Schauspielerin und Tänzerin sind aber nicht starr festgelegt: Mal sprechen oder tanzen beide, mal fallen sie sich in die Arme und sprechen synchron, als würden sie zu einem Charakter verschmelzen. Den Monolog der ehemaligen First Lady erleben die Zuschauer während der Führung im Zusammenspiel mit den dort platzierten Kunstobjekten. Der Museumsraum lenkt nicht ab, sondern dient als erweiterte Bühne — und verstärkt somit den Blick auf die High-Society-Lady.

Schon als Kind lernt Jacqueline (so ihr richtiger Name) von ihrer Mutter, wie sie die Mächtigen der Welt beeindrucken kann. Sie macht „schöne Bewegungen mit dem Kopf“, verfällt in ein affektiertes Lachen und hebt zum Gruß marionettenhaft den Arm. Sie ist Männertraum, Medienprinzessin und Mode-Ikone: „Ich bin meine Kleidung — und meine Kleidung ist ich“, lautet ihre Selbstdefinition.

Das biografische Stück ist Modenschau und Totentanz zugleich: Jackie spricht aus dem Jenseits zum Publikum, umgeben von einer ständigen Aura des Morbiden. Sie verliert zwei Babys und schließlich auch ihren Ehemann. Hinter der perfekten Fassade erahnt der Zuschauer Jackies zerbrechliche Seite. Aus dem ständigen Vergleich mit Marilyn Monroe, der Geliebten ihres Mannes und somit stärksten Gegenspielerin, wird ihre Unsicherheit spürbar.

„Ich bin die Bedeutende, nicht sie“, betont Jackie, als müsse sie vor allem sich selbst davon überzeugen. Die blond gefärbte Marylin, die den Blick auf ihr Fleisch lenkt, sei „nichts als Licht“, und daher vergänglich. Die dunkelhaarige Jackie, „das Kleid“ und „die Fleischlose“ stehe hingegen für die Ewigkeit, nach der man nicht greifen könne.

Die kunstvolle Sprache von Nobelpreisträgerin Jelinek lässt viele Deutungen zu. Diese Vielschichtigkeit greift die Inszenierung des Theater K auf, indem sie verschiedene Kunstformen miteinander verbindet und das Drama der Jackie O. aus immer neuen Perspektiven beleuchtet. An der letzten Station des virtuosen Stücks blickt der Zuschauer von oben auf die Hauptfigur hinab. Es ist die bisher größte Distanz. Der Zuschauer hat die First Lady auf Schritt und Tritt begleitet, sie beinahe verfolgt, wie es die Medien zu Jackies Lebzeiten getan haben. Am Ende bleibt sie jedoch auch im Ludwig Forum unerreichbar — wie eine Kunstfigur . . .