1. Kultur

Heerlen: Theater Heerlen umfangreich saniert und modernisiert

Heerlen : Theater Heerlen umfangreich saniert und modernisiert

Der erste Blick täuscht: Denn hinter der Fassade des Theaters Heerlen im Herzen der einstigen Bergbaustadt ist nicht sehr viel so geblieben, wie es bis zum 1. Januar 2004 war. Zu diesem Datum nämlich schloss das Bühnenhaus seine Pforten. Vor wenigen Tagen hat das Theater seinen Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Und weil Hausherr Bas Schoonderwoerd, seine Mitarbeiter und ihre Unterstützer in der Stadt den modernen Musentempel so sehr lieben, eröffnen sie ihn insgesamt sieben Mal: als Kabarett-, Musical-, Konzert-, Operntheater und so weiter.

1961 eröffnet

Ein so gut wie neues Theater in wirtschaftlich unruhiger Zeiten - damit setzen die Heerlener bewusst ein Zeichen. Denn das neue Leben in der alten Haut des 1961 erstmals eröffneten Baus von Architekt Frits Peutz ließen sich die politisch Verantwortlichen mit Unterstützung von Provinz und Sponsoren 45 Millionen Euro kosten.

Zusammen mit der Umgestaltung des ehemaligen Kaufhauses Schunck zum Kulturzentrum „Glaspaleis” hat so die Kultur wieder einmal eine führende Funktion bei der Wiederbelebung der nach der Schließung der letzten Zeche Ende 1974 in einen langsamen Niedergang geratenen Heerlener Innenstadt übernommen.

Wer nun einen Rundgang vor und hinter den Kulissen unternimmt, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Auch wenn die Schaufront mit ihren großen Glasscheiben und der weit geschwungenen Balustrade auf Höhe des ersten Ranges als bestimmende Gestaltungselemente geblieben sind: Dahinter wurde so gut wie alles anders. Fünf Säle zählt das Theater Heerlen, das mit seiner Schwester in Kerkrade offiziell als „Parkstad Limburg Theaters” firmiert. Jeder Raum - mag er groß sein oder klein - hat eine eigene Identität.

Das gilt für das „Café-Podium” mit knapp 80 Plätzen wie für den Limburg-Saal, der derzeit noch gebaut wird, mit seinen normalerweise 350 Plätzen. Normalerweise - das heißt: Durch Wegklappen von Wänden, Decken und den Aufbau zusätzlicher Tribünen kann die Kapazität auf 1200 Sitze erweitert werden. Normalerweise (und ohne Umbau) ist der zentrale, nach einer Bank benannte Rabo-Saal mit 1100 Stühlen der größte Raum im Haus. Er ist schon ohne Vorstellung ein Erlebnis für sich.

In warmen Rottönen mit ein wenig hellem Holz gehalten, erhat die Innenarchitektur samt Lichtregie größte Raffinesse. Doch das größte Wunderwerk findet sich an der Rückfront des Gebäudes: Von acht spiralförmig gewundenen Säulen gehoben, werden auf zwei Plattformen Lkw, die auf Straßenhöhe eingefahren sind, sechs Meter hoch auf die Bühnenebene befördert und können so Kulissen und andere Frachtgüter unmittelbar an der Spielfläche entladen.

Damit reagiert das Theater nicht nur auf die Kritik der Anwohner, die bisher über den Lärm an- und abfahrender Trucks Klage geführt hatten - es entspricht zudem einer schlichten Notwendigkeit. Denn feste Ensembles gibt es in den Niederlanden nicht. Jede Oper, jedes Orchester, jeder Solist - alle reisen mit ihrer eigenen Ausstattung an und wieder ab.

Deutsches Publikum

Von den gastierenden Künstlern, so Schoonderwoerd, soll auch das deutsche Publikum aus dem Grenzland profitieren. Denn immer wieder kommen die verschiedenen Ballettkorps des hoch angesehenen Nederlands Dans Theater nach Heerlen, lassen renommierte Orchester und Operntruppen von sich hören.

Schoonderwoerds große Liebe gilt jedoch ganz besonders Bühnen-Produktionen, in denen sich szenische Aktion zu großformatigen Bildern verdichtet. Das zeigt sich ganz besonders Anfang Mai: Dann lassen - dank einer ausgeklügelten Metall-Konstruktion und anderer Kunststücke - Tänzer und Techniker der Materiali Resistenti Dance Company aus Italien im Zuge der Produktion „Waterwall” die im Titel versprochenen Wasserwände und -kaskaden im großen Rabo-Saal auf und nieder stürzen.

Das Wort „Schauspiel” könnte so eine ganz neue Bedeutung gewinnen.