Aachen: Theater Aachen zählt mehr Zuschauer

Aachen: Theater Aachen zählt mehr Zuschauer

Für Michael Schmitz-Aufterbeck ist es ein Rekord. Seit 2005 ist er Intendant des Aachener Theaters, und so viele Zuschauer hat er bisher noch nicht in sein Haus gelockt: Rund 160.000 kamen in der nun zu Ende gehenden Spielzeit nach Angaben des Theaters zu Opern- und Schauspielaufführungen sowie den Konzerten.

Dies sei das beste Ergebnis seit der Saison 1995/96. Zur Erinnerung: Damals sorgte Intendant Elmar Ottenthal vor allem mit dem Erfolgsmusical „Gaudí“ für Andrang. Mehr als 197.000 Besucher strömten insgesamt in die Vorstellungen des Theaters.

„Wir konnten das hervorragende Ergebnis der Vorsaison noch mal toppen“, freut sich Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer Udo Rüber. Kontinuierlich habe man die Zuschauerzahl gesteigert, jetzt könne man rund 14.000 Besucher mehr verbuchen. Und er sieht Luft nach oben: In den drei Jahren, die er noch bis zum Ruhestand hat, will er noch die 200.000-Marke knacken. Zuletzt gelang das in der Saison 1985/86 mit rund 211.000 Besuchern.

„Ich möchte nicht, dass Theater nur über die Zuschauerzahlen definiert wird“, bremst der Intendant allzu hohe Erwartungen. „Dann könnten wir nichts Mutiges oder Neues machen und keine schwierigen Themen mehr anfassen.“ Aber das will Schmitz-Aufterbeck auch weiterhin — mit einer wirtschaftlich sicheren Mischkalkulation aus Mainstream- und Nischen-Produktionen. Obwohl er wisse, dass das Publikum in Aachen bei Themen wie beispielsweise Krieg und Rechtsradikalismus begrenzt sei.

Abdullah hält das Niveau

Das lässt sich auch an den aktuellen Zahlen erkennen. Die „Blockbuster“ waren das Familienstück „Pinocchio“ mit 26.700 Zuschauern sowie die populären Opern „Carmen“ und „Hänsel und Gretel“ — mit jeweils mehr als 12.000 Besuchern nahezu restlos ausverkauft. „Alles Produktionen, bei denen wir den Regisseuren keinen Druck gemacht haben“, betont der Intendant. Die beiden erfolgreichen Musiktheater-Premieren hat der neue Generalmusikdirektor Kazem Abdullah dirigiert. Der US-Amerikaner konnte nicht nur qualitativ das hohe Niveau seines Vorgängers Marcus Bosch halten, sondern auch quantitativ: Das Theater rechnet mit rund 45.000 Konzertbesuchern.

Die genaue Spartenauswertung stehe in der Spielzeitpause an. Allerdings konnte Abdullah auch nicht verhindern, dass die unbekanntere Verdi-Oper „Simon Boccanegra“ nur eine Auslastung von rund 51 Prozent erzielte — trotz sehr guter Kritiken auch überregional. „Ex-trem positiv überrascht“ war Schmitz-Aufterbeck dagegen über die Resonanz bei der nicht gerade leicht zu konsumierenden neuen Sciarrino-Oper „Superflumina“ mit mehr als 88 Prozent Auslastung, jedoch bei einem reduzierten Angebot von jeweils etwa 400 Plätzen bei acht Aufführungen.

Im Schauspiel entwickelte sich Brechts Schulstück „Der gute Mensch von Sezuan“ mit einer Auslastung von gut 86 Prozent zum Publikumsmagneten. Dagegen erzielte das Bürgerkriegsdrama „Verbrennungen“ nur eine Zuschauerquote von rund 42 Prozent. Zu den kleineren Bühnen in der Kammer und besonders im Mörgens strömte das Publikum. In der jungen 99-Plätze-Spielstätte war „Tschick“ der absolute Renner mit mehr als 40 ausverkauften Vorstellungen. Die dort gezeigte Inszenierung des Abschiebungsdramas „Deportation Cast“ wurde zwar zum NRW-Theatertreffen eingeladen, erzielte aber keine Besucherrekorde.

Insgesamt lag die Auslastung bei 79 Prozent. Und wie sieht das Einspielergebnis aus? Zu wie viel Prozent decken die Einnahmen die Ausgaben? Auf diese Fragen gab das Theater noch keine Antworten. Auch diese Auswertung stehe in der Spielzeitpause an, hieß es.

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