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Aachen: Theater Aachen stellt Spielplan vor: Spannende Mischung

Aachen : Theater Aachen stellt Spielplan vor: Spannende Mischung

Viele werbende Worte braucht Michael Schmitz-Aufterbeck an diesem strahlenden Dienstagvormittag im Spiegelfoyer des Theaters Aachen gar nicht erst bemühen: Der Spielplan 2007/2008 spricht für sich.

Kurz, knapp und ohne auszuschweifen stellten der Generalintendant und sein Team gestern ein Programm für die kommende Saison vor, das beeindruckt: Publikums- und zielgruppenorientiert, profiliert auf die Spielstätten hin, um Neuerungen und Überraschungen bereichert, plausibel unter ein Generalmotto gestellt, thematisch weit gespannt, umfangreich, mit bekannten, aber auch neuen Stücken und viel versprechenden Höhepunkten - besser ist das Angebot eines Hauses dieser Größenordnung kaum denkbar.

Sieben große Opern

Sieben große Opern, 50 Konzerte, 14 Produktionen auf der Bühne, fünf in der Kammer, sechs im Mörgens und vier in weiteren Außenspielstätten - das sind nur die nackten Zahlen für ein anspruchsvoll-engagiertes Programm.

Und das Ganze bei einem ausgeglichenen Wirtschaftsplan, wie Verwaltungsdirektor Udo Rüber darlegte: Das Gesamtvolumen der Ausgaben von 18,4 Millionen Euro wird von einem städtischen Zuschuss von 15,2 Millionen Euro getragen, den Rest füllen eigene Erträge.

163.000 Euro werden eingespart und entsprechen den Forderungen nach einem Konsolidierungsbeiträg zum städtischen Haushalt. 2009 drohen allerdings 670.000 Euro an Einsparungen. Das Programm in zentralen Stichworten:

Neuerungen und Extras: Erstmals erscheint als „Appetitmacher” ein Spielzeit-Hörbuch in Form einer Doppel-CD, auf der 16 Aachener Persönlichkeiten - vom Chefredakteur unserer Zeitung, Bernd Mathieu, bis zu Alemannia-Co-Trainer Erik Meijer - jeweils eine Geschichte zu einem Stück der neuen Spielzeit erzählen, umrahmt von Beiträgen von Ensemble, Solisten und Orchester.

Abonnenten und solche, die es werden wollen, bekommen die CD kostenlos nach Hause zugesandt oder bei Vertragsabschluss überreicht, andere für fünf Euro an der Theaterkasse und im Ticketshop des Zeitungsverlags in der Mayerschen Buchhandlung in Aachen. Der Preis wird für Nichtabonnenten bei Vorlage des Booklets beim Kauf einer Eintrittskarte angerechnet.

Mobile Bühne: Das Theater geht mit Stücken auf Reisen ins Umland und experimentiert dabei mit einer mobilen Bühne.

Theater- und Opernball: Am 12. Oktober wird es ihn erstmals in Aachen geben, auf der Bühne und in allen Foyers.

Abo-Empfang: Er findet für alle Abonnenten am 6. Mai um 11 Uhr im Theater statt, die neue Spielzeit wird ausführlich vorgestellt; Eintritt frei.

Theaterfest: zu Beginn der Spielzeit am 25. August.

Leitthema: Das Motto der Saison lautet „Jenseits der Grenzen” - gedacht als „Grenzen, die in den Köpfen fallen” (Schmitz-Aufterbeck) und als Ausflüge in „Traum- und Alternativwelten, Paralleluniversien und andere Wirklichkeiten” (Chefdramaturgin Ann-Marie Arioli).

Service: Die Theatergemeinde verkauft Abos und Karten jetzt auch an der Theaterkasse - Motto: „Service aus einem Guss”.

Publikationen: Wieder erscheinen drei informative Programmhefte (Bühnenproduktionen, Sinfonieorchester, Service), diesmal mit phantastischen fotografischen Blicken hinter die Kulissen (Wil van Iersel) und magischen Konzertbildern (Denise und Ulf Krentz).

Spielstätten: Auf der Bühne spielen sich die großen Dramen und Tragödien rund ums Leitthema ab („Orestie”, „Der fliegende Holländer”...), in der Kammer dagegen der „Mikrokosmos” der Probleme im kleinen, eher privaten Bereich, dem die Kommunikation abhanden gekommen ist.

Das Mörgens erhält ein eindeutiges Profil: Fokussiert wird hier fortan das Leben junger Menschen und dessen Reibungen mit der Erwachsenenwelt; für Zuschauer von 13 bis 99 Jahren - über die Sprachlosigkeit der Jugend („the killer in me is the killer in you my love” von Andri Beyeler) oder zum Thema Kampfsaufen („König Alkohol” von Hans-Werner Kroesinger) und einen Mord unter Jugendlichen („Der Kick” von Andres Veiel und Gesine Schmidt).

Theater für Kinder: Cornelia Funkes preisgekrönter Roman „Tintenherz” über die Magie des Lesens hat als noch taufrische Bühnenadaption am 8. November Premiere für ein Publikum ab sieben Jahren, also auch für Grundschulkinder. Außerdem wird eine Kinderoper angeboten: „Das Traumfresserchen” von Winfried Hiller und Michael Ende (21. September).

Angebot für Schulklassen: Einige Stücke wurden besonders mit Blick auf Schüler ausgewählt und werden schulpädagogisch begleitet: Kafkas „Verwandlung”, Radburys „Fahrenheit 451”, Dürrenmatts „Besuch der alten Dame” und Goethes „Urfaust”.

Schauspiel: Ein Stoff über „Grenzen, die Menschen ertragen können” (Chefregisseur Ludger Engels) bildet ein Höhepunkt im Schauspiel: die Trilogie „Orestie” von Aischylos (19. Januar 2008). Engels verspricht ein sechsstündiges Bühnenabenteuer, bei dem ganz neue Formen einer Theateraufführung ausprobiert werden sollen.

Um gestörte Kommunikation geht es in Yasmina Rezas neuem Stück „Der Gott des Gemetzels”. Als Uraufführungen sind Cora Frosts „Superparadies” (27. Oktober), ein Zukunftsmärchen in einer verödeten Stadt, und Sigrid Behrens´ „Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein..”, ein modernes „Tischlein, deck dich” an einer Autobahnraststätte” (9. November) zu erwarten.

Dazu „Gefährliche Liebschaften” von Pierre Choderlos de Laclos (11. Januar 2008) und „Der Asylsucher” von Koen Tachelet (7. März 2008) als deutsche Erstaufführung, eine erschütternde Dreiecksgeschichte mit einem Asylbewerber, einer Todkranken und deren Partner - eine starke, spannende Mischung.

Musiktheater: Bevor das sechste Amtsjahr von Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch anbricht, hat der tüchtige Dirigent zwei schwierige Aufgaben gelöst. Bereits im nächsten Monat wird die Schallmauer von 15000 Konzertbesuchern für diese Spielzeit gebrochen. Zudem führte er das Orchester auf ein Spielniveau, mit dem er aus dem Vollen schöpfen kann.

Und diese Chance nutzt Bosch mit der ihm eigenen kalkulierten Risikobereitschaft. Die schlägt sich im Konzertsaal ausgeprägter nieder als in der Oper, wo das Publikumsverhalten erfahrungsgemäß noch schwerer einzuschätzen ist. Wagner, Mozart und Verdi, das Opern-Triumvirat schlechthin, lässt sich der GMD nicht nehmen.

Wagners „Fliegender Holländer” (26. August), die Fortsetzung des Königs-Zyklus´ von Mozart mit dem „Mitridate” (23. Oktober) und Verdis „Rigoletto” (3. Februar 2008) werden zur Chefsache erklärt. Kaum etwas schief gehen kann mit Donizettis „Liebestrank”, Glucks „Orpheus und Eurydike” sowie Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen”.

Uraufführung: Besonders gespannt sein darf man auf die Uraufführung der neuen Oper von Detlev Glanert, „Nijinsky” (6. April 2008), nach der tragischen Biografie des legendären Tänzers. Glanert hat sein Bühnentalent erst vor wenigen Monaten erneut in Frankfurt und Köln mit der Oper „Caligula” unter Beweis gestellt.

Konzerte: Das optisch ansprechend, aber etwas unübersichtlich gestaltete Saisonprogramm der städtischen Konzerte bietet eine attraktive Mischung ganz großer und zu Unrecht vernachlässigter Musik, wobei die Hauptwerke nicht unbedingt den Sinfoniekonzerten vorbehalten sind. So erklingen Bruckners Vierte in St. Nikolaus, Beethovens „Missa Solemnis” im Dom und alle sechs Kantaten des Bachschen „Weihnachts-Oratoriums” in Würselen.

Die Sinfoniekonzerte trumpfen bereits im ersten Programm am 26./27. September mit einem Schwergewicht auf: mit Schostakowitschs besonders bedeutender 10. Sinfonie. Die einzige Schostakowitsch-Sinfonie, die Herbert von Karajan in seinem langen Leben dirigierte. Dem 100. Geburtstag des ehemaligen Aachener GMDs wird am 5. April 2008 ein ganzer Tag an verschiedenen Spielstätten Aachens gewidmet. Titel des Spektakels: „Ein Fest für Herbert”.

Schlachtross Mahler

Im zweiten Konzert folgt das nächste Schlachtross: Gustav Mahlers Sechste, gekoppelt mit Mendelssohns kaum bekanntem Doppelkonzert für Violine, Klavier und Streichorchester. An Hauptwerken folgen im weiteren Verlauf der Saison die sechsten Symphonien von Dvorák und Tschaikowsky sowie Vorspiel und 2. Akt aus Wagners „Parsifal”, gekoppelt mit der „Auferstehung” von Messiaen.

Die neuere Musik fällt etwas spärlich aus. Immerhin erwarten wir Lutoslawskis gewichtiges „Konzert für Orchester”, Martinus Oboenkonzert und die Uraufführung der 3. Sinfonie des jungen holländischen Komponisten Marijn Simons.

Der Konzertchor darf sich auf Rossinis „Petite messe solenelle” freuen, dirigiert von dem berühmten Chorleiter Marcus Creed. Unter den Gastdirigenten sticht noch Paul Goodwin heraus, der im Alten Kurhaus am 3. Oktober ein Barockprogramm mit den Sinfonikern erarbeiten wird.

Stattlich die Reihe namhafter Solisten: Neben dem Geiger Ingolf Turban sind hier zu nennen Baiba Skride und ihre Schwester Lauma sowie der Pianist Yundi Li.

Ein kleiner Wermutstropfen trübt die Vorfreude: Konzertmeisterin Sabine Gabbe wird das Orchester aus privaten Gründen verlassen. Eine Musikerin, die wir vermissen werden.