1. Kultur

Aachen: Theater Aachen lädt zum Träumen ein

Aachen : Theater Aachen lädt zum Träumen ein

„Grenzen überschreiten”, heißt das Motto der beginnenden Spielzeit am Theater Aachen - für Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck das beherrschende Motiv aller Produktionen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung werfen wir einen Blick auf einige Höhepunkte des neuen Programms besonders im Bereich des Kinderangebots und im Schauspiel, das nach Kafkas „Verwandlung” am Donnerstagabend im Mörgens die große Eröffnung auf der Bühne am Samstag mit Franz Grillparzers „Der Traum ein Leben” feiern wird.

Auch für Erwachsene

In diesem dramatischen Märchen erzählt der Autor die Geschichte eines Menschen, der sich aus seiner kleinen Welt zu großen Zielen hinausträumt. An seiner Seite: ein kleiner „Anstifter”, „der die Hauptfigur immer wieder in große Konflikte stürzt”, wie der Intendant die Problemlage erklärt.

Dieser „Zanga” ist buchstäblich eine „traumhafte” Figur - eine Puppe, geführt von Julia Brettschneider. „Es handelt sich um großes Märchentheater”, sagt Schmitz-Aufterbeck, „um eine Parabel, in der es um Fragen wie den Sinn des Lebens geht, und um die Verantwortung eines Menschen, der Macht hat.”

Träume, Alpträume, die Grenzen zur Realität, angesichts der Tatsache, dass „wir uns heute ständig in virtuellen Welten bewegen”, so erläutert er das saisonbestimmende Motto „Jenseits der Grenzen”.

Aber auch in anderer Hinsicht verbindet der Intendant Erwartungen mit diesem Thema. Das Mörgens zum Beispiel soll ab dieser Saison thematisch auf ein junges Publikum zugeschnitten werden, ohne „Jugendtheater” zu sein. Es geht dabei um Konflikte, die beim Erwchsenwerden entstehen und darum auch jene interessieren wird, die diesen Zustand schon erreicht haben und selbst in Konflikten stehen mit der jüngeren Generation.

In „Der Kick” (Premiere 25. Oktober) geht es ganz heiß und aktuell um die Misshandlung eines Jugendlichen durch seine Freunde - eine reale Geschichte aus Ostdeutschland. Die Textcollage von Andres Veiel und Gesine Schmidt soll ergänzt werden durch eine Podiumsdiskussion mit Fachleuten wie Psychiatern und Kriminologen.

Gewalt als Grenzüberschreitung steht auch im Mittelpunkt der Trilogie „Orestie” von Aischylos, die Ludger Engels an einem Abend inszenieren wird (Premiere 19. Januar). „Es geht um die Entwicklung einer archaischen Gesellschaft zur Rechtsform”, hebt Schmitz-Aufterbeck den zentralen Aspekt hervor.

Gleich mehrere Stücke wie dieses hat der Intendant ganz gezielt für das Schülerpublikum ausgewählt, Dürrenmatts „Besuch der alten Dame” zum Beispiel, Goethes „Urfaust” und vor allem „Fahrenheit 451” von Bradbury, das zum Oberstufenprogramm im Rahmen des Zentralabiturs steht.

Schmitz-Aufterbeck verweist auf eine umfangreiche Broschüre, die das Angebot für Schüler und Lehrer erläutert. Hilfestellung leistet Theaterpädagogin Katrin Eickholt (Telefon 0241/4784414).

Und wenn in Schlummerland das Licht ausgeht und ein komischer Kobold böse Träume einfach auffrisst, dann erlebt das kleine Publikum eine ganz besondere Premiere (21. September, 10 Uhr): „Das Traumfresserchen”, eine Oper für Kinder ab fünf Jahren mit dem Text von Michael Ende und der Musik von Winfried Hiller - altersmäßig selbst noch „für Menschen ab 90” interessant, „die Spaß an Geschichten haben”, betont Schmitz-Aufterbeck, der sich beim Angebot für Kinder ganz besonders Familien als Publikum wünscht.

Allerdings ist die Produktion bereits fast komplett ausverkauft. Der Text wird gesungen und gesprochen, Verständlichkeit sei absolut garantiert.

Und ein zweites „Familienstück” führt der Intendant im Gepäck, das gleichfalls das Zeug zum Knüller hat: „Tintenherz”, die Bühnenversion des Erfolgsromans von Cornelia Funke. „Tintenherz” (Premiere 8. November) richtet sich an das Publikum ab acht Jahren.

Es geht um Meggies Vater, der ein wunderbares Talent hat: Er kann Figuren aus Büchern „herauslesen” - wenn das keine grenzensprengende Fähigkeit ist ... So lädt Michael Schmitz-Aufterbeck in das Theater als einen Ort ein, in dem man durchaus auch träumen darf ...