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Aachen: TH-Professor kämpft gegen flaue Farben

Aachen : TH-Professor kämpft gegen flaue Farben

Das Bild sieht fast aus wie ein Gemälde, die Farben leuchten, die Pflaumen laden regelrecht ein hineinzubeißen. Und doch - es ist nur ein Fernsehbild. Noch hat der Fernseher der Zukunft allerdings fast die Größe einer Schrankwand.

Was Professor Bernhard Hill und seine vier Mitstreiter von der Gruppe Farbwissenschaft der RWTH Aachen ausgeheckt haben, könnte die gesamte Medienwelt auf den Kopf stellen. Sie haben sich eines Problems angenommen, das Medienexperten und Otto Normalverbraucher seit Jahren beschäftigt.

In elektronischen Medien werden Farben oft flau und matschig oder gar verfälscht dargestellt. Das gilt fürs Fernsehgerät, aber auch für Computerbildschirme und Drucker. Grund diesen Übels ist die RGB-Technik, wobei die drei Buchstaben für Rot, Grün und Blau stehen. Und eben da liegt das Problem, denn die Farbinformationen werden nur über diese drei Kanäle aufgenommen und verarbeitet.

Versandhandel testet

Bernhard Hill forscht an der Multispektraltechnik. Dabei werden die Bildinformationen nicht über drei, sondern über bis zu 32 Kanäle aufgenommen, verarbeitet und wiedergegeben. Der Aachener Wissenschaftler nennt beeindruckende Zahlen. Drei Millionen Farben könne der Mensch unterscheiden, mit der RGB-Technik ließen sich aber nur etwa 800.000 Farben darstellen. Vor allem stark gesättigte Farben, etwa ein schreiendes Pink, Magenta oder Himmelblau, lassen sich kaum oder gar nicht reproduzieren. Dieses Problem besteht mit Multispektraltechnik nicht mehr, alle für den Menschen wahrnehmbaren Farben lassen sich detailgetreu darstellen.

In den Räumen der Arbeitsgruppe sind die ersten Geräte bereits zu sehen. Es gibt eine Kamera, die immerhin schon über sechs Kanäle verfügt und die nicht viel größer ist als eine herkömmliche Spiegelreflexkamera. Das 16-Kanal-Gerät ist noch wesentlich größer, bietet dafür aber auch eine phänomenale Bildqualität.

Immense Kosten

Gerade beginnt die Phase der Markteinführung, zwei Geräte werden derzeit bei Versandhäusern erprobt. Diese Unternehmen haben einen großen Bedarf, schließlich haben sie immense Kosten, weil viele Kunden sich beschweren, der Farbton der gelieferten Ware stimme nicht mit den Abbildungen im Katalog überein. Aber die Liste der potentiellen Kunden für die neue Technik ist lang, alle Bereiche, in denen Farbechtheit eine große Rolle spielt, kommen in Frage: Die Autmobilindustrie etwa, die Bereiche Textil, Design oder Architektur.

Bernhard Hill erzählt, koreanische Unternehmen seien dabei, Multispektralfernseher zur Serienreife zu bringen. Die verfügen dann zwar nur über fünf oder sechs Kanäle, der Unterschied zu herkömmlichen Geräten ist aber trotzdem wie Tag und Nacht. In Japan wird der Aufbau der Sechs-Kanal-Technik gar mit staatlichen Mitteln gefördert. Ob die deutschen Unternehmen denn schon bei ihm vorstellig geworden seien, um von seinen Forschungsergebnissen zu profitieren? „Nein”, sagt Hill, „die verschlafen das wohl.”

Abwärtskompatibel

Wenn die neue Generation der Unterhaltungselektronik auf dem Markt sei, heiße das aber nicht, dass man den alten Fernseher direkt aus dem Fenster schmeißen müsse, beruhigt Hill: „Wir achten sehr darauf, dass die Geräte abwärtskompatibel sind.”

Die Aachener sind in den internationalen Gremien vertreten, die sich darum kümmern, dass gemeinsame Standards entwickelt werden. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Bildforschern weltweit lobt der Professor. Es seien nur wenige, so herrsche eher Pioniergeist vor als Konkurrenzdenken. Einige der TH-Forscher haben schon einen Austausch mit der Universität Tokio absolviert. Zusammen wollen sie eine Revolution voranbringen.