1. Kultur

Aachen: Temperamentvolle Interpreten mit Klangbalance

Aachen : Temperamentvolle Interpreten mit Klangbalance

Die neue Saison der Quintessence Kammerkonzerte im Rathaus wurde vom Philharmonischen Klavierquartett Berlin eröffnet.

Zwei der drei Streicher, Rainer Sonne, Violine, und Rainer Mehne, Viola, sind Mitglieder der Berliner Philharmoniker. Markus Nyikos, Violoncello, und der Pianist Pavel Gililov haben Professuren an den Musikhochschulen Berlin und Köln inne. So war es kaum verwunderlich, dass der Abend im Krönungssaal geprägt war von einer hohen Kultur und Perfektion des Musizierens.

Mit dem Klavierquartett Es-Dur op. 16 a von Ludwig van Beethoven begannen die Vier mit einem Frühwerk, das Beethoven ursprünglich als Bläserquintett konzipierte und später für die klassische Klavierquartettbesetzung umschrieb. Das jugendfrische Werk fand in den vier Berliner Musikern stilsichere und temperamentvolle Interpreten, denen es gelang, den dominanten Klavierpart ohne Einbuße an Brillanz und Virtuosität in eine gesunde Klangbalance mit den Streichern zu bringen.

Interessant und reizvoll war die Begegnung mit dem Komponisten Paul Juon, einem Russen schweizerischer Herkunft, dessen Musik in der Nachfolge der deutschen Romantik steht, der aber mit durchaus eigenem Tonfall komponierte. Sein Klavierquartett Nr. 2 G-Dur, formal in der Tradition der klassisch-romantischen Tradition verhaftet, verrät in seinem leidenschaftlichen Grundzug Einflüsse der Musik Tschaikowskys und der Tonsprache von Komponisten Skandinaviens, erinnert aber mit mancher modalen Wendung in seiner Linearität an Maurice Ravel.

Musizierfreude

Ein inspiriertes Werk, souverän gearbeitet und von den vier Berlinern mustergültig interpretiert. Vor allem das Adagio lamentoso bleibt in seiner klanglichen Expressivität im Gedächtnis haften. Slawische Musizierfreude und zugleich Experimentieren mit Formalem prägen das erste Klavierquartett D-Dur von Anton Dvorak.

Gleich das Hauptthema des Kopfsatzes scheint einem böhmischem Volkslied entsprungen zu sein. Dieser Konflikt zwischen sprudelnden thematischen Einfällen und dem Ringen mit der Form wurde in der tonlich warmen, klanglich ausgewogenen Darstellung durch die vier Musiker deutlich.

Hier wurde intensiv und leidenschaftlich musiziert, ohne dass auch nur einen Moment lang die Kontrolle über den Gesamtklang verloren gegangen wäre. Hervorragend die Einbindung des Klaviers in das klangliche Gesamtbild. Dem begeisterten Publikum boten die Musiker als Zugabe das Scherzo aus Robert Schumanns Klavierquartett.