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Erkelenz-Immerath: Tagebau-Gegner kämpft weiter

Erkelenz-Immerath : Tagebau-Gegner kämpft weiter

Der riesige Bagger hat schon die Stadtgrenze von Erkelenz überschritten. Die Ortschaften Otzenrath und Pesch sind bereits dem Untergang geweiht. Doch noch wird weiter gekämpft gegen den Braunkohletagebau im Erkelenzer Land.

Anfang Juli kam eine unerwartete Wende in Form eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig. Das lässt Zweifel aufkommen an der Zulässigkeit des Rahmenbetriebsplanes, der Grundlage für die Abbautätigkeit von RWE Power im Braunkohletagebau Garzweiler II ist. Erwirkt wurde das von dem Immerather Stephan Pütz, der sich mit Unterstützung des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) in zweiter Instanz durchsetzen konnte.

Erstmals beschäftigt hatte Pütz sich mit der Thematik, als 1993 die Einwendungen gegen den bevorstehenden Tagebau formuliert wurden. Bei der öffentlichen Anhörung 1994 wurde ihm klar: „Die Argumente der Gegenseite sind nicht schlüssig genug, um eine Vertreibung von 8000 Menschen zu rechtfertigen.” Denn als Vertreibung betrachtet nicht nur er die Umsiedlung. „In einer Notlage wäre das Vorgehen ja zu verstehen, doch die liegt nicht vor.” Zumal die Kohle gerade einmal für die nächsten 40 Jahre ausreiche. „Dann müssen wieder neue sichere Energiequellen gesucht werden.”

Ihm selbst ist der Rummel um seine Person nicht recht. „Ich habe nur mit meinen Namen für die Meinung vieler Menschen hergehalten, die sich nicht mit dem Verlust ihrer Heimat abfinden wollen", erklärt der 43-jährige Diplom-Verwaltungswirt, der vor neun Jahren nach dem Studium von Köln aus nach Immerath gezogen ist.

Auf Seiten von RWE Power habe man es „mit beinharten Verhandlern” zu tun, weshalb er Betroffenen davon abrät, eigenständige Verhandlungen zu führen. „Wer in den betroffenen Orten viel Land besitzt, bekommt vielleicht auch viel Geld”, bestätigt Pütz. „Aber das trifft nicht bei allen Dorfbewohnern automatisch zu. Da tut sich eine Schere auf, die in Arm und Reich aufteilt.” Das Ergebnis zeige sich in den neu entstandenen Ortschaften: „Wer es nicht geschafft hat, zieht auch nicht in diese Braunkohle-Homelands.”