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Tag für Girls und Boys

Tag für Girls und Boys

Aachen (an-o) - Während Tausende Mädchen gestern in Deutschland den "Girls Day" begingen, hatte in Aachen zusätzlich der "Boys Day" Premiere. Mit von der Partie war Stefan Roos: Er war Kindergärtner für einen Tag.

Am "Girls Day" schnuppern Mädchen Motorenöl oder hantieren mit dem Hammer. Für einen Tag gehen sie in Berufe, die typischerweise das andere Geschlecht ausübt. In Aachen schauten sich gestern mehr als 70 Jungs an, was sonst hauptsächlich Frauen machen.

Fast alle Jungen der Jahrgangsstufe 7 der Heinrich Heine-Gesamtschule besuchten anlässlich dieses Pilotprojektes Kindergärten, Grundschulen, Altenheime und andere Einrichtungen. Stefan Roos, 13 Jahre alt, hat sich seinen "Schnupperplatz" in der Kindertagesstätte "Kleine Strolche" selbst ausgesucht. "Es macht Spaß, mit Kindern etwas zu machen", kommentiert er seinen "Boys Day-Schultag". Er könne sich durchaus den Beruf des Erziehers für sich vorstellen. "Wenn der Beruf Zukunft hat, und wenn Gehalt und Leistung in einem angemessenen Verhältnis stehen", so Stefans schon ganz erwachsene Bedingung. Dennoch weiß er, dass Erzieher kein großer Reichtum erwartet, "dabei ist der Beruf teilweise ziemlich stressig", stellt der 13-Jährige schnell fest. "Wenn mehr Männer im Erzieherberuf wären, würde sich wahrscheinlich das Gehaltsniveau mit der Zeit angleichen", meint Stefan.

Kaum war der Schüler da, umringten ihn auch schon die Vorschulkinder in Trauben und ahnten: hier kommt einer zum Toben und Turnen. Stefan war sofort akzeptiert. "Insbesondere Jungen brauchen ihre Väter, und sie brauchen männliche Vorbilder und Bezugspersonen", formuliert die Leiterin der Einrichtung, Margrit Lethen, ihren Wunsch, dass sich mehr Männer beruflich für die Betreuung von Kindern in Kindergärten und Grundschule interessieren.

Offene Türen eingerannt

Initiiert hatte den "Boys Day" in Aachen Eva Köhl, Mutter zweier Söhne (einer davon Schüler der Heinrich Heine-Schule). Dass Mädchen gefördert werden und Zugang zu allen Berufen haben sollen, steht für sie außer Frage. "Aber darüber sollten die Jungen nicht vergessen werden", meint die Ingenieurin.
Damit Jungs eine Idee von den klassischen Frauendomänen bekommen können, hatte sie die Aktion geplant und 35 Einrichtungen angeschrieben, um für den Besuch der Schüler zu werben. Sie scheint damit offene Türen eingerannt zu haben: Die Resonanz war so groß, dass Eva Köhl auch2004 einen Zukunftstag für Jungen anbieten will.