„Szenische Installation“ von Händel im Aachener Dom

Aachener Sinfonieorchester : Das passende Händel-Oratorium zum Aachener Dom

Theater Aachen trifft bei der Wahl der Sänger für Händels „Szenische Inszenierung“ zu 40 Jahren Weltkulturerbe Aachener Dom ins Schwarze

Auftritte des Aachener Sinfonieorchesters im Aachener Dom gehören zwar zu den schönen Traditionen des hiesigen Musiklebens, doch für eine Opernproduktion unter dem Oktogon bedarf es schon eines besonderen Anlasses. Der ist mit dem 40-jährigen Jubiläum des Gotteshauses als Weltkulturerbe der Unesco gegeben.

 Mit der „Szenischen Installation“ eines frühen Oratoriums von Georg Friedrich Händel ist man für die beiden Aufführungen im Dom erstaunlich gut gefahren, bevor die Produktion am 28. Oktober ins Theater umziehen wird. Die Wahl fiel auf Händels allererstes Oratorium, „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ (Der Triumph der Zeit und der Erkenntnis). Ein Werk, das der 22-jährige reisefreudige Komponist 1708 in Rom aus der Taufe hob. Vier Allegorien streiten sich in Rezitativen und Arien um den nachhaltigen Sinn des Lebens: die vergängliche Schönheit und das Vergnügen auf der einen Seite und die unermüdlich voranschreitende Zeit sowie die Erkenntnis auf der anderen Seite.

Gebraucht werden neben einem kleinen Instrumentalensemble nur vier Sänger, allerdings sehr gute. Und da kann man dem Aachener Theater nur gratulieren, dass sie zwei so junge und begabte Kräfte wie die Sopranistin Suzanne Jerosme und die Mezzosopranistin Fanny Lustaud ins Ensemble übernommen hat. Suzanne Jerosme, gleich mit ihrer ersten, mit schwierigen Koloraturen gespickten Arie das Publikum zum Szenenapplaus hinreißen. Gesangstechnisch nahezu perfekt setzt sie besondere Akzente. Nicht minder Fanny Lustaud als laszive „Piacere“, das Vergnügen. Schöner und makelloser kann man den Ohrwurm „Lascia la spina“ kaum singen.

Die männlichen Gegenspieler haben weniger Gelegenheit, sich so einzuschmeicheln. Sie müssen sich deklamatorischer gebärden. Das bereitet dem Countertenor Cameron Shahbazi als „Erkenntnis“ ebenso wenig Probleme wie dem Tenor Patricio Arroyo als „Zeit“, auch wenn der gesundheitlich gehandicapt war.

Justus Thorau und einige Musiker des Sinfonieorchesters haben sich in den letzten Jahren so intensiv mit historischen Aufführungspraktiken beschäftigt, dass die Musiker die hohen spieltechnischen Anforderungen rundum erfüllen können.

Viel Raum für szenische Sensationen bietet der Diskurs von vier Personen natürlich nicht. Regisseur Ludger Engels verzichtet klugerweise auf jeglichen Schnickschnack, sondern folgt sensibel den psychologischen Nuancen der Musik, so dass eine geschickte Positionierung der Figuren im Dom und eine behutsame Gestik vollkommen ausreichen.

Eine rundum überzeugende Produktion, speziell in dieser Umgebung und speziell als „Szenische Installation“. Und alles getragen von einem erfreulich hohen musikalischen Niveau. Der Beifall des Publikums fiel entsprechend begeistert aus.

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