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Aachen/Würselen: Swinger unterliegt dem Architekten

Aachen/Würselen : Swinger unterliegt dem Architekten

Manchmal wird es schlüpfrig vor Gericht und manchmal obsiegt das weniger Seriöse über das Seriöse - manchmal, aber nicht immer.

Im vorliegenden Fall hat der Berufsstand der Architekten bei Aachens Justitia einen deutlichen Punktsieg errungen - vor dem des Kaufmanns, der sein Geld mit Vermietung und Betrieb eines so genannten Swinger-Clubs verdient.

In einer Berufungssache vor der 5. Zivilkammer des Landgerichts ging es lediglich um eine Mietstreitigkeit. 14.000 Euro wollte ein Kläger ersetzt haben, weil ein Eigentümer ihn nicht in die frisch angemietete Wohnung lassen wollte. Der Hausbesitzer hatte nämlich etwas Unangenehmes über seinen neuen Mieter heraus bekommen, etwas, das dieser besser nicht behauptet hätte.

Durchaus gutes Geschäft

Denn vor Vertragsabschluss gab sich der Betreiber des Etablissements als Architekt aus, bekam daraufhin prompt den Zuschlag für die Mietwohnung. Was der Vermieter zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Sein neuer Mieter war selbst Hausbesitzer in Würselen, hatte aber beschlossen, seine eigenen vier Wände gewinnträchtig als Swinger-Club für 5000 Euro im Monat zu vermieten. Da die neue Wohnung weit billiger war ein durchaus gutes Geschäft.

Aber eine Vorstellung als Swinger-Clubberer? Da scheute sich der Lust-Betreiber, „Architekt” klang viel besser. Seine Freundin konnte als Zeugin nicht zweifelsfrei nachweisen, dass er sich nicht mit der Berufsbezeichnung geschmückt hatte - wie der getäuschte Vermieter den Rauswurf begründete.

„Negativer Touch”

Die Kammer folgte dem Vermieter, stellte in 2. Instanz eindeutig fest: Menschen, die einen Swinger-Club betreiben, gelten als unseriös, das habe „einen negativen Touch”, meinten die Richter. Architekt zu sein dagegen sei ganz und gar seriös - also gab es absolut kein Geld für die entgangene Mietdifferenz.