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Aachen: Superstar des Jazz gibt sich ganz bescheiden

Aachen : Superstar des Jazz gibt sich ganz bescheiden

Als „Superstar des Jazz” war er angekündigt worden. Dabei ist der weltbekannte Saxophonist und Bigband-Leader Bob Mintzer kein Mann der großen Gesten.

Gelassen überließ der Amerikaner viele Glanzpunkte des Konzerts in der Aula des Aachener Einhard-Gymnasiums der brillant aufspielenden Aachen Big Band - die ihrerseits seinen Stücken alle Ehre machte.

Der 1953 im Bundesstaat New York geborene Mintzer kann auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: Er spielte mit Jazz-Größen wie Tito Puente, Buddy Rich und Art Blakey, und drei seiner eigenen Alben brachten Grammys ein. Seit den frühen achtziger Jahren hat sich Bob Mintzer verstärkt eigenen Bigband-Kompositionen und Arrangements gewidmet. Einen Querschnitt dieses Schaffensabschnitts präsentierte er gemeinsam mit der Aachen Big Band.

Bevor der Virtuose mit seinem Tenor-Saxophon die Bühne betrat, legte die von Leiter Adi Becker hervorragend eingestimmte Band mit Max Gregers dynamischem „Up to date” viel versprechend vor. Weiter ging es mit Mintzers Komposition „Computer”, die bereits den einzigartigen Stil des Amerikaners vorwegnahm: Zum groovigen Funk-Rhythmus gesellten sich abwechselnd eingängige und verschachtelte, dissonante Bläserthemen.

Ganz unspektakulär erschien Bob Mintzer selbst auf der Bühne und machte so gar nicht den Eindruck eines Superstars: Das schwarze T-Shirt lässig über der Jeans hängend, zeigte sich Mintzer erst einmal wortkarg.

Raffinierte Soli

Er begnügte sich mit einigen dezenten Soli, während die Aachen Big Band bei seinen faszinierenden Arrangements zu „One finger snap” oder „Incredible Journey” alle Register ihres Könnens zog. Mehr und mehr spielte sich der Tenor-Saxophonist mit raffinierten, punktgenauen Soli in den Vordergrund, übernahm die Bandleitung - und sorgte mit einigen Anekdoten aus seiner Karriere für manchen Lacher.

War die erste Hälfte des Konzerts eher tempolastig, so präsentierte Mintzer im zweiten Teil auch ruhigere Nummern wie das wohlig warme „Long time ago”, das jedoch an unerwarteten Stellen mit mutigen Dissonanzen aufwartete.

Mit „Latin Dance” läutete die Band den Endspurt ein, und endlich legte der Mann des Abends alle Bescheidenheit ab: Nur vom Schlagzeug begleitet, bewies Mintzer mit einem präzisen, energischen Solo seine ganze Klasse. Bei „The Chicken” von Jaco Pastorius übertrafen sich alle Akteure schließlich selbst.