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Aachen: Suermondt-Ludwig: Was ist „echte” Natur?

Aachen : Suermondt-Ludwig: Was ist „echte” Natur?

Sanfte Hügel, saftige Wiesen und wogende Wellen so weit das Auge blickt. Dabei wandelt der Betrachter nicht inmitten freier Natur, sondern zwischen altem Gemäuer. Genauer gesagt: im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum.

Bevor hier am Samstag die umfangreiche Ausstellung „Johann Wilhelm Schirmer in seiner Zeit” beginnt, werden bereits am Mittwoch zwei flankierende Präsentationen zum Thema „Landschaft” eröffnet.

Diese „konzertierte Aktion” entspricht einer Idee der neuen Museums-Konzeption, mehrere Ausstellungsflächen des Hauses inhaltlich miteinander zu verbinden, erläuterte Museumsdirektor Ulrich Schneider.

Und sie bietet hier die reizvolle Möglichkeit, ganz unterschiedliche Wahrnehmungs- und Darstellungsweisen von (mehr oder weniger) natürlichen Schauplätzen und -spielen zu erleben.

Da ruht beispielsweise friedlich-idyllisch ein felsiges Seeufer im Mondenschein - schwarz-weiß mit der Feder hingeworfen; und nur wenige Räume entfernt leuchtet grün die Fotografie einer gespenstischen Bombenkrater-Szenerie von der Wand.

Aber der Bilder-Reihe nach: Im Kupferkabinett erwarten die Besucher zuerst „Landschaften der Düsseldorfer Malerschule”, Graphiken und Zeichnungen von Schülern und Weggenossen des Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer aus dem 19. Jahrhundert.

Wärme der Romantik und Kühle der Fotografie

„Das ist eine sehr romantische Auffassung der Landschaft, kein einziges Zeichen von Industrialisierung ist zu sehen”, meint Schneider.

Die Arbeiten aus eigenen Beständen oszillieren zwischen den Polen Konstruktion und Wirklichkeit: der Komposition idealer Natur im Atelier und dem Studium der realen Objekte vor Ort, von der Skizze bis zur detailreichen Ausführung.

Neben Schirmer-Schülern wie Oswald und Andreas Achenbach werden überdies in Aachen tätige Künstler von Caspar Scheuren bis Peter Bücken vorgestellt.

Ein Stockwerk höher steigt der Besucher dann „von der Wärme der Romantik zur Kühle der Fotografie” (Schneider), vom Miniatur- zum Großformat - und vom 19. Jahrhundert in die Gegenwart.

Denn hier haben acht deutsche Künstler ihre zeitgenössischen Landschafts-Ansichten, erhabene Momente und unermessliche Weiten, auf Fotopapier gebannt. Und angesichts dieser Werke werden die Fragen drängender, der Betrachter immer irritierter: Was ist eigentlich (unberührte) Natur, was (gestaltete) Landschaft? Was real, was fiktiv?

Zum Beispiel bei den Lichtbildern von Sonja Braas. Auch auf den zweiten Blick ist nicht zu erkennen, ob eine künstliche Landschaft im Terrarium oder vielleicht doch ein wirklich existierender Dschungel abgebildet wird. Fotopapier kann doch noch besser lügen als die Zeichenblätter...

Ebenfalls eine spannende Wanderung durch Landschaften „zwischen Konstruktion und Wirklichkeit”.