Aachen: Suermondt-Ludwig-Museum präsentiert Werke von Corot

Aachen : Suermondt-Ludwig-Museum präsentiert Werke von Corot

„Ich habe noch nie so herrliche Landschaften gesehen. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass man im Himmel malen kann.“ Welche Leidenschaft spricht aus diesen Worten eines Künstlers, der seine ungeliebte bürgerliche Existenz als Tuchmacher mit 26 Jahren aufgibt, um seiner wahren Berufung zu folgen: der Maler Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875).

„Ein Poet der Landschaft“ — so bezeichnet ihn das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum, das bis zum 30. Dezember 13 seiner wohl zauberhaftesten Gemälde präsentiert. Anlass der Schau ist das Jubiläum 50 Jahre Städtepartnerschaft Aachen-Reims, das dem hiesigen Publikum die Begegnung mit einer wunderbaren Auswahl an Werken aus dem Reimser Musée des Beaux-Arts beschert, das über die weltweit größte Corot-Sammlung verfügt.

„Das ist der Höhepunkt des Jubiläumsjahres“, erklären denn auch Georg Schmidt, der Vorsitzende des Bürgerkomitees Aachen-Reims, und Angelika Ivens, Honorarkonsulin der Republik Frankreich, bei der Vorbesichtigung.

Gemalt wird im Wald

In einer Zeit, als biblische Motive, prestigeträchtige Historienbilder und Porträts beim kunstsinnigen Publikum der Salons en vogue sind, begibt sich Corot, noch ganz beseelt von den Eindrücken seiner Italienreisen, in den Wald von Fontainebleau oder Wagnonville. Mitsamt Schemel und Schirm im Rücken als Schutz vor ungemütlichem Wetter. Und so malt er hier den morgendlichen Dunst über dem See, das abendliche Licht, das zwischen Bäumen hindurchschimmert und die Silhouette eines Städtchens in der Ferne in den Dämmer taucht.

Man meint, das Rauschen der Wipfel und das Heulen der Böen zu hören angesichts des Bildes „Der Windstoß“, das unter den 13 Gemälden gerade so frappierend zur Jahreszeit passt. „Wenn man Corot sagt, denkt man an Bäume“, sagt Museumsdirektor Peter van den Brink über diesen Pionier der Freiluftmalerei und Vorläufer des Impressionismus. Mit wenigen, aber effektvollen Farbtupfern zaubert er ein feingliedriges Blattwerk auf die Leinwand, stimmungsvolle Szenerien im Spiel von Licht und Schatten — so echt und lebhaft, wie es nur die Natur selbst gestalten kann.

Die Errungenschaft der Tube war es, die Corot und Konsorten aus dem Atelier heraus das weite Feld der Landschaft eröffnete: Damit brauchte man die Farben nicht mehr zu mischen und konnte gleich in Wald und Flur pinselnd loslegen. Vom französischen Dorf Barbizon aus zogen sie los in die Wälder der Umgebung: Corot und Théodore Rousseau, Charles-François Daubigny und Jean-François Millet. Historien- , Religions- und Mythologie-Kram lehnten sie als Maler ganz beherzt ab und studierten stattdessen lieber die Details der Natur.

Und so kann man sich still versenken in diesen Zauber aus Farbe und Licht in der fabelhaften Umgebung des Kaminzimmers im Museum. Museumsmitarbeiterin Sarvenaz Ayooghi hat ein helles Blau stimmungsvoll passend als Farbe der Wand gewählt.

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