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Aachen: Suermondt-Ludwig-Museum erinnert an Aachener Künstler Bardenheuer

Aachen : Suermondt-Ludwig-Museum erinnert an Aachener Künstler Bardenheuer

Wer Freude an Malerei hat, durchaus auch widerständiger, vieldeutiger, bis zur Ruppigkeit heftiger - der ist in dieser Ausstellung bestens aufgehoben: „Herbert Bardenheuer - früher und später” im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum.

Sie gilt einer der prägendsten Künstlerpersönlichkeiten unserer Region, bedeutend weit darüber hinaus. Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren ist er im Alter von 57 Jahren leider viel zu früh verstorben.

Die Weggefährten und Künstlerfreunde Helga Scholl und Wolfgang Kupczyk haben sich aufgemacht, den mit Hunderten von Arbeiten umfangreichen Nachlass zu sichten und dabei ganz erstaunliche Entdeckungen gemacht. Rund 30 Bilder, die meisten aus den 80ern und einige aus den letzten Jahren, haben sie ausgesucht und entwerfen damit ein ganz anderes Bild, das der Kunstfreund von jener Präsentation im Ludwig Forum Mitte der 90er Jahre noch im Gedächtnis hat.

Der Förderpreisträger der Stadt Aachen (1976), Macke-Preisträger der Stadt Meschede (1993), Stipendiat der Villa Romana in Florenz und Teilnehmer der Biennale in Venedig erlebt Anfang der 80er seine erfolgreichste Zeit, als seine Werke den Jungen Wilden zugeschrieben werden, die sich aber in ihrer Bedeutungsverweigerung weit davon unterscheiden. Die Gestalten, kriechenden, gekrümmten oder verdrehten Wesen, technischen Gebilde, Kreuze, Masken oder Leiber, die zum Teil eins sind mit den Farbräumen und Flächen, in denen sie auftauchen - sie bewahren ihr Geheimnis. Der Betrachter kann sich ihnen allenfalls annähern, keineswegs verstehen.

Inspiriert von Tagesereignissen oder Kinoerlebnissen wie „Blade Runner” lässt der universell interessierte Künstler, der Malerei, Kunstgeschichte, Philosophie und Kernphysik studiert hat, sein Inneres in die malerische Geste fließen, lässt zu oder verwirft es immer wieder. Allenfalls in besonderen Einzelbeispielen findet sich so etwas wie eine „gebrochene”, zerstörte Landschaft - da hat die Apokalypse offenbar schon stattgefunden.

Bardenheuer ist ein Meister der Farbe - auch wenn sie tatsächlich meistens nur grau ist. Was er ihr an einer Fülle von Nuancen abgewinnt, ist mehr als erstaunlich. Immer wieder taucht sein eigener Kopf im Gewirr der Formen auf - ob als Selbstvergewisserung oder Selbstbefragung, wer mag das wissen?

Die Bilder aus der Zeit seiner Krankheit haben eines gemeinsam: Schlangenartige Schlieren bemächtigen sich der Räume - wie eine alles umgreifende Bedrohung... Die letzten Aquarelle, unmittelbar in der Natur entstanden, durchwehen eine über alle Maßen erstaunliche Buntheit und Leichtigkeit. Vögel, Gefäße, lichte Porträts sind nunmehr die Motive - ist da ein Mensch mit sich ins Reine gekommen?

Die Freunde des Künstlers fragen sich, ob sich in dessen Heimatstadt nicht etwas finden lässt, das dieses eigenständige Werk bewahren hilft...

„Herbert Bardenheuer - früher und später” ist bis 25. Oktober im Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen, Wilhelmstraße, zu sehen. Die Eröffnung ist am Freitag, 3. Juli, 19.30 Uhr. Geöffnet: Di.-Fr. 12-18, Mi. 12-20, Sa./So. 11-18 Uhr, Katalog: 15 Euro.