1. Kultur

Aachen: Strauss und Strauß geben sich die Ehre

Aachen : Strauss und Strauß geben sich die Ehre

Strauss, Strauß, Straus: Die Rechtschreibreform schafft keine Hilfe beim Namenswirrwarr der musikalischen „Sträuße” aus Bayern und Wien.

Auch wenn den Münchner Richard Strauss und den Wiener Oscar Straus keine verwandtschaftlichen Beziehungen mit der Dynastie um den Walzerkönig Johann Strauß nebst Vater und Brüder verbinden, schlug ihr aller Herz doch mehr oder weniger innig für den Walzer. Davon konnte sich das Publikum im zu zwei Drittel gefüllten Eurogress im Rahmen des 2. Sonderkonzerts des Aachener Sinfonieorchesters überzeugen.

Wie in einem vorgezogenen Neujahrskonzert gab der Dreivierteltakt den Ton an. Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch stellte eine geschickte Mischung aus mehr oder weniger bekannten Beispielen „Von Strauss zu Strauß” zusammen, die er mit Gefühl und noch mehr Frische ohne sentimentale Entgleisungen dirigierte.

Dabei fehlte natürlich der Donau-Walzer von Johann Strauß (Sohn) nicht, der Berühmteste aller Walzer. Und an diesem populären Highlight ließen sich die Qualitäten des Konzerts exemplarisch ablesen. Bosch orientierte sich an den kompositorischen Stärken des Werks, sorgte für zügige Tempi ohne aufgesetzte Ritardandi und gab dem Werk jene schlichte Natürlichkeit wieder, die in emotional überfrachteten Interpretationen bisweilen verloren geht.

Da mag manches nüchterner als gewohnt klingen, doch näherte Bosch das Werk damit den Ursprüngen des Tanzbodens an, denen die Musik entwuchs, und neutralisierte einen Teil jener philharmonischen Fülle, die Strauß fern lag, die aber heute weitgehend den (Walzer-)Ton angibt.

Die Wiener Strauß-Dynastie war daneben mit Ausschnitten aus der „Fledermaus” sowie zwei Beispielen des hoch begabten, aber früh verstorbenen Bruders Josef würdig vertreten.

Den Löwenanteil des Programms bestritt jedoch der Bajuware Richard Strauss, gipfelnd in einer ebenso opulent wie feinnervig gestalteten Rosenkavalier-Suite und einem Gesang aus den „Vier Letzten Liedern”, den Lisa Graf mit lyrischer Schwerelosigkeit schweben ließ, und in dem Ex-Konzertmeister Alexis Vincent mit einem brillanten Violin-Solo seine Klasse bestätigte.

Den ganzen ersten Programmteil durchzogen Ausschnitte aus Richard Strauss weniger bekanntem Gelegenheits-Ballett „Schlagobers”, das zwar nicht mit dem „Rosenkavalier” oder den späten Liedern konkurrieren kann, aber immerhin doch einige unbekannte Facetten des Komponisten vermittelte.

Neben Lisa Graf waren noch der Bariton Hans Lydman und der Tenor Willy Schell hauptsächlich in Duetten aus der „Fledermaus” und dem „Walzertraum” von Oscar Straus mit von der Partie, wobei es den Herren etwas schwerer fiel, sich gegen das Orchester durchzusetzen als ihre Kollegin.