Stolberg: Klassik-Festival im Zinkhütter Hof

Klassik-Festival „Momentum“ in Stolberg : Hochkarätig und anspruchsvoll

Es ist schon bewundernswert, was die junge, in Stolberg ansässige deutsch-iranische Pianistin Patricia Buzari mit ihrem Festival „Momentum“ im Zinkhütter Hof allen Schwierigkeiten zum Trotz auf die Beine stellt. Sechs Konzerte mit hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern bietet dieses abwechslungsreiche Festival mit höchst anspruchsvollen Programmen.

„Clara Schumann und ihre Schwestern“ ist das Motto der diesjährigen Reihe, wobei mit den „Schwestern“ die Geschlechtsgenossinen Clara Schumanns gemeint sind. So erklang im Eröffnungskonzert Schumanns Klavierkonzert a-Moll, das die Komponistin als einziges Werk mit Orchester mit 16 Jahren schrieb. Mitstreiter von Patricia Buzari waren in diesem ersten Konzert der junge renommierte Geiger Yury Revich, der Pianist Alexander Krichel und das Folkwang Kammerorchester aus Essen unter der Leitung von Felix Mildenberger, wahrlich eine prominente Auflistung aufstrebender Musiker. Mildenberger musizierte mit seinem Orchester zu Beginn Edvard Griegs Holberg-Suite sensibel, klanglich sehr differenziert, wobei er das „Andante religioso“ zu einem geradezu zelebrierten Adagio dehnte.

Spannender wurde es mit der Suite concertante für Violine, Klavier und Streicher der in den USA lebenden russischen Komponistin Lera Auerbach, deren sieben zum Teil mit programmatischen Titeln versehene Sätze höchst individuell und stilistisch unterschiedlich angelegt sind. Tonales wechselt mit Atonalem, geradezu brutale Einwürfe mit Bartok-Pizzikati in den Streichern alternieren mit berückend lyrischen Passagen. Der Geiger Yury Revich und die Pianistin Patricia Buzari leisteten im Zusammenspiel mit den eher als Klanghintergrund oft mit Liegeklängen agierenden Streichern Beachtliches im imponierenden Einsatz für diese eigenwillige Musik. Allerdings stellte sich spätestens hier heraus, dass der Zinkhütter Hof ein zwar stimmungsvolles, aber akustisch höchst problematisches Ambiente für Konzerte in größerer Besetzung ist. So wurden viele Details der anspruchsvollen Partitur Opfer der diffusen Akustik.

Ähnliches gilt auch für die Wiedergabe von Clara Schumanns wirkungsvollem, für eine 16-Jährige äußerst selbstbewusstem Klavierkonzert, dessen drei Sätze sie sich selber in die Finger schrieb und die vom Pianisten einiges an Virtuosität verlangen. Alexander Krichel meisterte den anspruchsvollen Klaviersatz technisch souverän, klanglich differenziert, überlegen gestaltend und in nahtlosem Zusammenspiel mit dem Orchester. Leider machte die hallige Akustik die Durchhörbarkeit des Orchesterparts, der sinfonische Besetzung mit vollem Bläsersatz verlangt, nahezu unmöglich.

Begeisterter Beifall des Publikums, das man sich angesichts der hochkarätigen Veranstaltung zahlreicher vorstellen könnte. Mehr zum weiteren Programm des Festivals im Internet:

festival-momentum.de