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Köln: Stimme und Präsenz statt Show

Köln : Stimme und Präsenz statt Show

Seit seinem Album „Sacred Love” von 2003 hat Sting keinen neuen Pop-Song mehr veröfentlicht, gleichwohl ist er musikalisch ungemein umtriebig geblieben.

Mit Police, eher ein Band-Aid-Projekt zur finanziellen Unterstützung seiner ehemaligen Kumpels Copeland und Summers, zog er durch die Stadien, als Lautenspieler gings zurück bis ins Mittelalter, und mit einem Sinfonieorchester im Rücken wollte er zuletzt beweisen, dass seine Songs auch im Klassikarrangement Wirkung entfalten. Samt fünfköpfiger Begleitband ist Sting derzeit mit „Back To Bass” auf Tour und findet endlich wieder zu sich selbst. Bewusst wählte er überschaubare, fast intime Konzerträume und versetzte beim einzigen NRW-Konzert im restlos ausverkauften Kölner E-Werk seine Fans - sofern sie die Chance hatten, ein Ticket zu ergattern - in einen schieren Begeisterungstaumel.

T-Shirt und Jeans

Im weißen Lichtkegel, in T-Shirt und Jeans, strahlt Gordon Matthew Thomas Sumner mit seinen 60 Jahren eine physische Präsenz aus, gegenüber der mancher 40-Jährige ziemlich alt aussieht. Mit „All This Time” eröffnet er das Konzert zum 25-jährigen Solo-Jubiläum, es folgt der Police-Klassiker „Every Little Thing She Does Is Magic”, bei dem der alte Polizeiruf „Ijohoho-Ijohoho” mit Jubel begrüßt wird. Kurz mischt sich etwas Heiserkeit in die Stimme von Sting, mehr als diese Kleinigkeit gab es aber dann wirklich nicht auszusetzen.

Schnell wird deutlich, dass sich dieses Konzert zu etwas ganz Besonderem, bei dem jegliche Superlative versagen, entwickelt. Dominic Miller und sein nicht minder fähiger Sohn Rufus liefern exzellente Gitarrenarbeit, Vinnie Colaiuta den Rhythmus. Die betörende Stimme von Jo Lawry bietet weit mehr als die übliche Background-Dezenz und die Duelle zwischen Sting am Bass und dem Geigespiel, von Peter Tickell sind an Hochspannung kaum zu überbieten. Der Mixer agiert wie ein Dirigent, kennt jeden Einsatz und sorgt für einen bestechend klaren Sound.

Das Repertoire von „Im So Happy I Cant Stop Crying” im lockeren Country-Stil über das erhabene „Fields Of Gold” bis zu „Desert Rose” mit einem musikalischen Hauch aus 1001 Nacht lässt keine Langeweile aufkommen. Auch wenn das Police-Trio seinerzeit mit mehr spielerischen Finessen aufwartete, so klingen die aktuellen Interpretationen von „Demolition Man”, „Driven To Tears” oder „Next To You” ungleich vitaler. Nach diesem Erlebnis möchte man eigentlich nie mehr ein Sting-Konzert in einer Arena oder einem Stadion erleben.