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Aachen: Statt der Plädoyers neue Zeugin

Aachen : Statt der Plädoyers neue Zeugin

Am 28. Juni vergangenen Jahres fuhren die vier Angeklagten rasant im gestohlenen Fiat Punto durch Aachen und schossen wild um sich. In ihrer Gewalt hatten sie ein junges Ehepaar, die Frau schwanger. Die Flucht endete in einer Autowerkstatt. Vorher ließen die Angeklagten das Paar laufen, nahmen aber sofort eine neue Geisel.

Am Donnerstag, dem 18. Verhandlungstag gegen den sich selbst als Anarchisten bezeichnenden Gabriel Pombo Da Silva, seinen Gesinnungsgenossen José Fernandez Delgado und den ebenfalls angeklagten Belgier Bart de Geeter und der Schwester Da Silvas, Begona Pombo Da Silva, lief alles seinen gewohnten Gang. Gewohnt souverän leitet Richter Dr. Gerd Nohl die Verhandlung. Auch nicht, dass am Donnerstag Staatsanwaltschaft, Nebenklägervertreter und Verteidiger keine Plädoyers halten. Statt dessen stellen die Verteidiger Beweisanträge und rügen Ankläger Axel Geimer, eine Zeugin, die den einen Teil des Tathergangs gesehen haben soll, nicht recherchiert zu haben.

Nach der Mittagspause die Entscheidung der Kammer: Den Beweisantrag, die Schuldfähigkeit Da Silvas, die von einer Gutachterin attestiert wurde, nochmals untersuchen zu lassen, weist das Gericht zurück. Allerdings gehen die Richter darauf ein, die bisher nicht gehörte Zeugin zu laden. Sie wollen auch das Bundeskriminalamt beauftragen, ein Digitalfoto, das bei einem Banküberfall in Karlsruhe aufgenommen wurde, qualitativ so zu verbessern, dass mehr zu erkennen ist. Denn ein Gutachter glaubte auf dem schlechten Bild Da Silva zu erkennen. Der Prozess wird am 26. August fortgesetzt. Möglicherweise dauert er bis Ende des Jahres.