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Aachen: Statt Baracken nun ein gläserner Schmuckkasten

Aachen : Statt Baracken nun ein gläserner Schmuckkasten

„Ich geh´ mich mal eben schnell zurückmelden!” Zurück? Schnell? Melden? Jener studentische Standardsatz zu Semesterbeginn klang in den 70ern stets optimistischer, als es die Praxis in den Büros der RWTH-Aachen wirklich zuließ.

Heute gehen Formalien wie Immatrikulation oder halbjährliche Rückmeldung bequem, denn alles ist Online und somit wirklich schnell.

Damals aber mussten sich die Studierenden zu Semesterbeginn an einem gleichsam magischen Ort in eine lange Schlange stellen. Neben dem Hauptgebäude aus der Gründerzeit (1870) - eben dort am Templergraben, wo sich jetzt das feine, gläserne SuperC in den Himmel reckt - standen altgediente schwarz getünchte Baracken, als dauerhafter Behelf errichtet, hässlich und eng.

„Die völlig richtige Idee”

Da mussten Bummelanten wie strebsame Doktoranden ihr Studienbuch vorlegen und sich den Semesterstempel samt aktueller Studienbescheinigungen holen - wie auf dem Amt, kein Pardon, es ging nicht anders. Heute ist die RWTH viel feiner. Eine richtige Uni ist die alte Polytechnische Schule geworden, sogar eine anerkannte, „Exzellenz”-Universität - es heißt, es stehe in Aachen die beste Technik-Uni ganz Europas, sogar belegt mit weltweitem Ruhm. Also darf man dem zum Monatsende scheidenden Rektor Prof. Burkhard Rauhut getrost zu dem Prachtstück gratulieren, das auf seiner Initiative basiert.

Denn das SuperC (die Silhouette des Avantgarde-Baus der Aachener Architektinnen Fritze+Pape erinnert an ein „C”) war die völlig richtige Idee. Am kommenden Dienstag (29. Juli, 10.30 Uhr) wird der 20 Meter hohe und im Obergeschoss gut 16 Meter auskragende Glasbau, der in seiner Leitidee vorrangig als Servicezentrum für die rund 30.000 Studierenden geplant ist, mit großem Bahnhof und im Beisein von NRW-Wissenschaftsminister Prof. Andreas Pinkwart seiner Bestimmung übergeben.

Zuvor warf der Bauherr, der Chef des Aachener Bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB), Harald K. Lange, einen kritischen Blick auf das Bauwerk. Denn hier vereint sich visionäres Bauen mit innovativer Technik, kein Allerweltsgebäude. Bis auf Kleinigkeiten schien alles im Lot und hielt kritischen Blicken stand. „Ob auch alles wie geplant funktioniert, wird sich weisen”, meinte Lange beinahe abgeklärt und verwies darauf, dass die Regeltechnik in neuen Gebäuden stets im laufenden Betrieb feinjustiert werden müsse.

Die Technik: Bundesweit Aufsehen erregte beispielsweise die Niederbringung einer 2,5-Kilometer tief gehenden Kernbohrung, mit dem die Geothermik für die komplette Energiegewinnung des Hauses genutzt werden soll. In einem doppelwandigen Rohr, das momentan noch ungeschützt im großen Veranstaltungssaal endet, strömt kaltes Wasser in die Tiefe und kommt mit 70 Grad erwärmt wieder hervor - eigentlich gar nichts Neues für die Aachener, nutzen sie doch seit Jahrhunderten das kochende Erdinnere für ihre heißen Quellen.

Küche in der Beletage

Ein weiteres Novum: Damit das Gebäude nicht auf die Nase fällt, halten im Rücken des SuperC dicke Stahltrosse, wie sie im Brückenbau verwendet werden, die Überhängende Front in der Horizontalen - auch hier aufwändige Architektur. Im Inneren gibt es gläserne Lichthöfe, manche Etagen sind durch einen offene Balustrade verbunden - Transparenz und Licht ist die Maxime des Baus.

Oben in der guten Stube befinden sich zwei etwa gleich große Kongressräume (je 190 qm), ausgestattet mit feinem Eichenholz. In der Beletage gibt es neben Büros eine Catering-Küche und eine simultane Dolmetscherkabine, Lange zur Atmosphäre hoch über der Stadt: „In einer solchen ausgesuchten Umgebung gibt es bestimmt auch ausgesuchte Konferenzergebnisse.”

Die Gesamtfläche rechnet sich auf 4600 Quadratmeter hoch, 45 Büros für 82 Mitarbeiter sind es. Im Foyer sollen die Studierenden erfahren, wo sie was zur Aufnahme oder zur Weiterführung ihres Studium brauchen, davor ein weithin gepflasterter Platz, eine Cafeteria wird es geben. Im Souterrain breitet sich ein akustisch hochgerüsteter Saal für etwa 700 Menschen aus: Konzerte oder Kongresse werden hier Platz haben, ein gesonderter Eingang macht den Ort unabhängig - hochmodern und multifunktional also, das Ganze!