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Aachen/Düren: „Sponsor-Aktie” unterstützt Bibliotheken

Aachen/Düren : „Sponsor-Aktie” unterstützt Bibliotheken

Sparen kann an die Substanz gehen. Viele Bibliotheken in Deutschland müssen zusehen, wie ihre Bestände veralten, sie schließen Zweigstellen und verkaufen ihre Bücherbusse.

Die leeren öffentlichen Kassen lassen ihnen keine andere Wahl. Städte wie Köln kürzen die Medienetats um 50 Prozent, Länder wie Nordrhein-Westfalen fahren ihre Zuschüsse um 70 Prozent herunter. „Wir sehen diese Entwicklung mit großer Sorge”, sagt Bernd Meyer, Kulturdezernent des Deutschen Städtetages.

Wer still leidet, hat schon verloren. Doch Geldquellen sprudeln sogar in dieser finanziellen Trockenzeit, aber sie müssen aufgespürt werden. So geben die deutschen Unternehmen immer mehr für Sponsoring aus: Ihre Etats wuchsen von 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2001 auf 2,7 Milliarden im Jahr 2002, und das Wachstum soll sich fortsetzen.

Als besonders einfallsreich beim Umwerben von Firmen und Privatleuten gilt in Fachkreisen die Stadtbibliothek Köln. Im Januar startet sie das Projekt „Bibliotheksaktien”. Für Beträge zwischen 10 Euro und 20.000 Euro winken den Spendern als Dividende kostenlose Leseausweise, exklusive Events und „eine gut funktionierende Bibliothek”, verspricht Leiter Horst Neißer.

„Wenn wir Sponsoren finden wollen, dann dürfen wir nicht jammern”, nach dieser Maxime arbeitet Neißer. Er sieht sich nicht als Bittsteller, sondern als Geschäftspartner von Firmen.

Für besondere Aktionen erreichen die Sponsoren-Summen bis zu einer halbe Million Euro - ebenso viel, wie ihm die Stadt Köln im Jahr 2004 für den Kauf von Medien gibt. In Aachen liegt das Spendensammeln in den Händen des Fördervereins.

Sein regelmäßiger Bücherbasar bringt pro Jahr rund 30.000 Euro ein, berichtet die Vorsitzende Ursula Schmidt-Cohnen. Der Verein finanziert Ausstellungen, neue Möbel, aber auch Bücher. Immerhin blieb die Bibliothek im Jahr 2003 von größeren Kürzungen beim Etat für den Medienkauf verschont. Sie konnte über 240.000 Euro.

Deutlich aktiver geht die Bibliothek Düren an Firmen als Sponsoren heran. Zweimal erhielt sie den - inzwischen eingestellten - „Sponsoringpreis NRW”. Noch viel zu wenig wuchern die Bibliotheken mit ihrem Pfund als „Frequenzbringer”.

Besucher verbinden oft Einkaufen und Ausleihen miteinander. Das ergab eine Umfrage der Stadtbibliothek Mönchengladbach im Jahr 2000. „Unsere Besucherzahl hat sich seither auf rund 800 am Tag verdoppelt,”, erzählt Leiter Guido Weyer.

Die Firma sponsert nicht nur Veranstaltungen, sondern lässt auch ihre Beziehungen spielen: Die Druckkosten für neue Ausweise übernahm ein Großverlag, der das Warenhaus beliefert. Fest steht jedoch: „Die Grundsicherung muss zwingend von den Kommunen kommen”, stellt Städtetags-Dezernent Meyer klar.