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Köln: Spezialisten für Musik mit Witz und Blech

Köln : Spezialisten für Musik mit Witz und Blech

Bob Ross ist zwar ein echter Schotte, aber Sparsamkeit ist ihm fremd - jedenfalls dann, wenn es um Musik, Humor und witzige Ideen geht.

Der dynamische Hornist, Jahrgang 1954, leitet, prägt und dirigiert ein Ensemble, das allein schon durch seinen Namen kräftig aus dem Rahmen fällt:

„Blechschaden” haben sich die elf Blechbläser der Münchner Philharmoniker vor knapp 13 Jahren genannt und damit ein Ensemble geschaffen, das die Genregrenzen der Musik anhaltend radikal und mit immer neuen Variationen überschreitet. Am Sonntag, 11. Januar, 20 Uhr, gastiert „Blechschaden” in der Kölner Philharmonie.

Wie es zu diesem Namen kam? „Wir haben als noch namenlose Gruppe bei der Einweihung eines Abschleppunternehmens in Stuttgart zwischen kaputten Autos flotte Musik gemacht”, erinnert sich Ross. „Dieses Umfeld hat uns eben inspiriert.” Der Start zur Erfolgsgeschichte von „Blechschaden” war für alle der berühmte „Sprung ins kalte Wasser” - eigentlich ein Zufall. „Der Sender 3sat hat uns zur Funkausstellung Berlin das Angebot gemacht, ein Konzert zu geben, das war natürlich eine Tolle Chance.”

Es gab nur ein Problem „Unser Repertoire war 1991/1992 noch gar nicht so umfangreich.” Doch Ross wußte eine Lösung: „Ich begann, zwischen den Stücken lustige Sachen zu erzählen.” Das kam gut an und wurde fester Teil der Shows. Und das können ganz unterschiedliche Geschichten und Sprüche sein - beliebt sind natürlich freche Musikerwitze oder Reime wie „Gott schuf das Horn in seinem Zorn”, mit dem sich Ross gern selbst auf den Arm nimmt.

Die vergnügliche Umsetzung bekannter Kompositionen in Blech-Version gelingt allerdings nur, wenn Könner am Instrument sind. „Viele von uns sind sogar Professoren an diversen Musikhochschulen Wir haben den entscheidenden Schliff in unserer Kulturvollzugsanstalt erhalten” erinnert Ross an die Zeit unter Chefdirigent Sergiu Celibidache, der 1996 starb. „Es war sehr hart, aber es hat nach ihm niemanden gegeben, der einem Orchester ein derart gehauchtes Pianissimo entlocken konnte.”

Bis heute stellen Ross und seine Kollegen an sich selbst die höchsten Ansprüche, dabei pflegen sie mit Leidenschaft die „Reise” durch alle Stilrichtungen - nahezu ohne Ausnahme. Da stehen Kompositionen von Gabrieli und Mozart durchaus einmal neben Musikstücken Duke Ellington, Dave Brubeck, Bon Jovi und sogar Ernst Mosch. „Es kommt auf die Arrangements an, sie müssen toll klingen, und das ist nicht immer leicht zu spielen.”

Den Erfolg lassen sie sich ab und zu etwas kosten. „Wir zahlen dem Arrangeur mehr, als andere, dafür ist die Arbeit auch komplizierter.”Zum Beispiel bei der „Rhapsodie in Blue” von Gershwin. „Die ist viel zu lang, so ein Stück darf höchstens vier Minuten dauern”, erzählt Ross. „Wir haben das aber gelöst.”

Nicht nur Musik, auch Fußball gehört zu den Leidenschaften der „Blechschaden”-Mitglieder, die zwar ab und zu gern Trompeten, Horn, Euphonium, Tuba, Posaunen und Schlagzeug vernachlässigen, aber dann doch immer wieder eine Verbindung zur Musik schaffen. „Wir hatten schon Auftritte bei Bundesligavereinen in Frankfurt, Köln und Stuttgart, demnächst sind wir sogar dabei, wenn unser Münchener Heimatverein Unterhaching in London spielt.”

Sein größer Wunsch: „Eine Bearbeitung von Schönbergs ,Verklärter Nacht für uns, denn das ist mein absolutes Lieblingsstück.” Und die selbstironische Devise des Ensembleleiters mit großer Durchsetzungskraft: „Man kann alles kürzen, nur mich nicht, denn ich bin schon klein genug...”

„Blechschaden” am Sonntag, 11. Januar, 20 Uhr, Philharmonie Köln. Das Programm von Klassik bis Jazz gestalten die Blechbläser der Münchner Philharmoniker.

Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung, Telefon 0241/5101192 oder 0241/5101175.