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Aachen: Spendenfonds im Bistum scheitert

Aachen : Spendenfonds im Bistum scheitert

Die Hiobsbotschaften treffen das Bistum Aachen derzeit fast täglich. Nur 15,2 Prozent von 2368 Bistumsbeschäftigten haben sich bereit erklärt, zur Rettung von Arbeitsplätzen auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten - im Durchschnitt auf 54 Euro pro Monat.

Dieses niederschmetternde Ergebnis einer Solidaritäts-Umfrage haben die Initiatoren am Freitag bekannt gegeben.

„Wir halten es in der jetzigen schwierigen Situation nicht für sinnvoll, den Spendenfonds zur Beschäftigungssicherung kurzfristig einzurichten”, beerdigte Pfarrer Eckhard Lossen, Sprecher des Priesterrates, das Projekt. Bis zum Jahr 2008 muss die Bistumsleitung mehr als 60 Millionen Euro einsparen, hunderte Jobs sind dadurch akut in Gefahr. Mit einer ersten Kündigungswelle wird im Juni gerechnet.

Ziel der vor einigen Wochen gestarteten Mitarbeiterbefragung war, mindestens eine Million Euro Spenden pro Jahr von 30 Prozent der Mitarbeiterschaft zu erhalten. „Wenn 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrere Jahre lang im Schnitt 100 Euro im Monat spenden, kann die Kündigung von ca. 48 Vollzeitbeschäftigten verhindert werden”, hatten die Initiatoren aus Priester-, Pastoral- und Katholikenrat damals geschrieben.

Weit verfehlt

Vor allem Priestern, Diakonen und Lehrern war der Rundbrief zugestellt worden. Das anvisierte Ziel wurde allerdings weit verfehlt: Nur 476 Personen (20,1 Prozent) haben die Bögen überhaupt zurückgesandt, 360 Mitarbeiter sagten Spenden zu. Die Gesamtsumme aller angegebenen Spenden beträgt für drei Jahre 671.208 Euro - das entspricht 223.736 Euro pro Jahr.

Auch Regionaldekan Hans Georg Schornstein zeigte sich am Freitag von dem Ergebnis der Mitarbeiterbefragung enttäuscht. „So lange die Bistumsleitung keine Beschäftigungsgarantie geben kann, wird die Spendenbereitschaft kaum steigen”, sagte der Sprecher der Initiative Zukunft Arbeitsplatz Kirche (ZAK).

„Wenig Hoffnung”

Die Initiatoren vermuten, dass die fehlende Spendenbereitschaft vor allem auf die Ängste und Verunsicherungen der Mitarbeiter zurückzuführen ist. „Viele sind derzeit wohl nicht bereit zu spenden, weil sie wenig Hoffnung haben, mit ihrem Geld Kündigungen verhindern zu können”, so Pfarrer Lossen.

Sobald sich abzeichnen sollte, „dass betriebsbedingte Kündigungen weitestgehend vermieden werden können und damit das wichtigste Ziel des Fonds auch erreichbar scheint, beabsichtigen wir, den Spendenfonds einzurichten”, betonte der Sprecher des Priesterrates. Doch dies ist laut der Personalchefin des Bistums, Marieluise Labrie, gegenwärtig ausgeschlossen.