1. Kultur

Aachen: „Sparen Sie nicht an der Zukunft der Jugend”

Aachen : „Sparen Sie nicht an der Zukunft der Jugend”

„Wer Gelder für kirchliche Schulen kürzt, muss wissen, dass er damit die Existenz kirchlicher Schulen gefährdet!” Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff protestierte laut und deutlich. Und mehr als 6000 Schüler, Eltern und Lehrer bekundeten mit Applaus und gellenden Pfiffen ihre Zustimmung.

Eine so große Demonstration hat es auf dem Katschhof lange nicht mehr gegeben. Einen Tag nach der Groß-Demo zur Bildungspolitik in Düsseldorf machten in Aachen die Abordnungen von fast zwei Dutzend freien Schulen aus dem gesamten Bistum ihrem Unmut Luft. Aus der Eifel waren sie gekommen, aus Eschweiler und Würselen, aus Mönchengladbach, Geilenkirchen oder Viersen.

Massiver Protest

Der massive Protest der freien Schulen richtet sich gegen die Pläne der Landesregierung, die Schulen in freier Trägerschaft im nächsten Jahr stärker zu belasten. Deren Finanzanteil soll von bisher sechs auf 7,5 Prozent, also um 25 Prozent, steigen.

Allein die katholischen Schulen im Bistum Aachen müssen nach Berechnungen des Bistums für dieses „Not-opfer” im nächsten Jahr rund 800.000 Euro aufbringen.

Schulkultur gefährdet

Solch massive Kürzungen, beklagte der Aachener Bischof, gefährden ein wichtiges Stück Schulkultur. Mussinghoff appellierte an die Landesregierung: „Sparen Sie nicht an der Zukunft der jungen Generation! Investieren Sie in die Zukunft unserer Gesellschaft! Und erhalten Sie den Kirchen die Möglichkeiten, ihren Beitrag dazu zu leisten!”

Für die Schulen in Trägerschaft der evangelischen Kirche sprach der Landeskirchenrat der Evangelischen Kirche im Rheinland, Rainer Michel. „Es macht ungeheuren Mut zu sehen, wie viele gekommen sind”, sagte er. „Das muss man in Düsseldorf wahrnehmen.” Die privaten Schulen tragen schon jetzt einen erheblichen Eigenanteil, betonte Michel. „Kürzen Sie nicht einseitig auf Kosten der freien Schulen!”

„Vertrauensbruch”

Einen „Skandal und einen Vertrauensbruch” nannte Schulleiter Josef Els vom Bischöflichen Pius-Gymnasium in Aachen die geplanten Kürzungen. Ausgerechnet jene Schulen würden durch die Pläne der Landesregierung stärker belastet, die den Staat seit Jahrzehnten um viele Millionen Euro entlasten.

„Viele unserer Schulen würden in ihrer Existenz gefährdet.” Rund 100 kleine Schulträger im Land, so befürchten die Elternvertreterinnen Marianne Conrad (St. Ursula-Gymnasium) und Dorothee Stinshoff-Kraus (Viktoria-Schule), „können eine Erhöhung des Eigenanteils nicht verkraften und sind gefährdet”.

Im Namen der vielen Schülerinnen und Schüler gingen Franziska Flohrmann und Tim Nieradzik, Jahrgangsstufe 13 der Eschweiler Liebfrauenschule, ans Mikrofon. Sie kritisierten, dass der Bildungsbereich als „Sparschwein” für den maroden Haushalt herhalten solle. Und sie forderten: „Kein Sonderopfer für die Schulen in freier Trägerschaft!”