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Würselen-Bardenberg: Soul-Perle als kritischen Song gegen Bush umgemünzt

Würselen-Bardenberg : Soul-Perle als kritischen Song gegen Bush umgemünzt

Noch vor knapp einem Jahr war Stefan Gwildis außerhalb seiner Heimatstadt Hamburg ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

Wie sehr sich seither die Frohbotschaft seiner deutschen Interpretationen von Soulklassikern herumgesprochen hat, bewiesen rund 600 Zuhörer auf Burg Wilhelmstein.

Nachdem seine Background-Sängerin Regy Clasen ein halbstündiges, mitreißendes Vorprogramm absolviert hatte, betrat schließlich Gwildis die Freilichtbühne.

Ganz der nonchalante Conferencier, begleitete er sich zunächst selbst an der Gitarre und huldigte dem Publikum in höchst amüsanter Weise.

So scherzte er spontan mit den wenigen zu spät Gekommenen, machte die Burg kurzerhand zu „Schloss Wittgenstein” während sich nach und nach seine elfköpfige Bigband zu ihm auf die Bühne gesellte.

Als er schließlich „Allem Anschein nach bist dus”, seine Version des Bill-Withers-Klassikers „Aint no sunshine” anstimmte, war die Soul-Revue bereits in vollem Gange.

Schlag auf Schlagt

Anschließend ging es Schlag auf Schlag durch die sechziger und siebziger Jahre mit Neulesungen solcher Soul- und Funkperlen wie „Papa was a rolling stone”, „You can leave your hat on” und „How sweet it is to be loved by you”.

Marvin Gayes „Whats going on?”, das bei Gwildis „Wem bringt das was?” heißt, wird zum swingenden Funk-Plädoyer gegen George Bushs Kriegsszenarien als Kommentar zu weltpolitischen Problemen.

Gerade damit bewies Gwildis eindrucksvoll, dass die alten Soulperlen immer noch ungemein grooven, wenn man sie nur zeitgemäß interpretiert.

Und immer wieder wird Gwildis Vergangenheit als Straßenkünstler spürbar, wenn er etwa in seiner Ansage zu „Sie lässt mich nicht mehr los” einen Mikrofonkabelbruch zum spontanen, mit viel Gelächter bedachtem Entertainment macht.

Der Mann weiß einfach, wie man unterhält. Vor allem aber füllt er seine höchst charmante Art der Unterhaltung mit Inhalt.

So singt er einerseits in „Papa darf da nicht mehr wohnen” über die Stasi-Vergangenheit eines ehemaligen DDR-Spitzels und steigt gleichzeitig ins Publikum, um sich zum Amüsement aller Anwesenden von einzelnen Zuhörern im Chorgesang begleiten zu lassen.

Oder er lässt sich mangels regionaler Kenntnisse von einem Zuschauer das ostbelgische Eupen als Äquivalent zu Hamburgs Nobelstadtteil Blankenese, „das Beverly Hills der Waterkant”, erklären.

Mit erstaunlichem Feingefühl und begleitet von seiner hochkarätig besetzten Band, verleibt sich Gwildis die Soulklassiker ein und verwischt mit unglaublicher Leidenschaft die Grenzen zwischen originären Eigenkompositionen und sich zu eigen gemachten Songideen anderer.

Nach rund zwei Stunden schweißtreibendem Programm, wurde das charismatische Multitalent aus Hamburg schließlich vom Würselener Publikum mit Standing Ovations verabschiedet.