Aachen: Sinfoniekonzert: Warm tönendes Klangbild

Aachen: Sinfoniekonzert: Warm tönendes Klangbild

Er hat sich zu einem international beachteten Dirigenten entwickelt: der in Düren geborene Gregor Bühl, Schüler von Wolfgang Trommer, der von 1962 bis 1974 GMD in Aachen war.

Im 6. Abonnementskonzert des Aachener Sinfonieorchesters empfahl er sich jetzt mit drei Werken auf der Schwelle zur Moderne, die lange nicht in Aachen zu hören waren.

Dazu zählen Paul Hindemiths „Sinfonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber”, ein brillant instrumentiertes Virtuosenstück von unbändiger Spielfreude, überbordender Fantasie und bisweilen drastischem Witz. Bühl legte einen Blitzstart hin und kehrte die berstende Dynamik des Stücks mit explosiver Kraftentfaltung hervor.

Leider überforderte er damit die akustischen Grenzen des Eurogress, so dass sich nur eine geringe klangliche Transparenz einstellen wollte. Schade, denn mit der rhythmischen Treffsicherheit und dem Klangempfinden des Dirigenten sowie dem Spielvermögen des Orchesters ließe sich eine fulminante Interpretation des Werks vorstellen. Solche Probleme bereitet Béla Bartóks Konzert für Bratsche nicht. Ein unvollendetes Zeugnis aus dem letzten Lebensjahr des Komponisten, von dem nur die Solo-Stimme und Particell-Teile des ersten Satzes aus Bartóks Feder stammen.

Solist Nils Mönkemeyer

Der Orchesterpart beruht also weitgehend auf der Rekonstruktion durch den Bartók-Schüler Tibor Serly. Und die kündet von großem Respekt und noch größerer Zurückhaltung, so dass im Orchester nichts von dem Raffinement der Bartókschen Orchestrierungskunst zu hören ist. Das Konzert wirkt wie ein 20-minütiger Bratschen-Monolog mit obligatem Orchester. Immerhin eine dankbare Aufgabe für einen Solisten wie Nils Mönkemeyer, einem weiteren jüngeren Vertreter der Bratsche, die zwar längst nicht mehr mit dem Image eines „Instruments im Pensionsalter” zu kämpfen hat, dafür aber immer noch mit einem recht schmalen Solo-Repertoire. Mönkemeyer nimmt die Herausforderung des emotional bewegenden, stilistisch von der introvertierten Elegie bis zum überdrehten Tanz reichenden Parts spieltechnisch souverän an, kann damit die Problematik des Stücks auch nicht ganz vergessen lassen.

Mit der opulent besetzten Tondichtung „Tod und Verklärung” von Richard Strauss tat sich Bühl leichter als mit den bisweilen bewusst schrill instrumentierten Metamorphosen Hindemiths. Er entwickelt ein warm tönendes, sonores Klangbild, motiviert die Holzbläser zu exzellenten Soli, findet zu einer recht ausgewogenen Balance zwischen Streichern und Blechbläsern und scheut sich auch nicht, die pathetische Pose des Werks auszuspielen. Angesichts der Klangschönheit und der Interpretation eine richtige Lösung, die das Publikum dankbar goutierte.