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Düsseldorf: Show mit Stöckelschuhen und einer guten Brise Humor

Düsseldorf : Show mit Stöckelschuhen und einer guten Brise Humor

Um der Freude an Musik geht es dem aus Montreal kommenden Songwriter und Pianisten Rufus Wainwright - daran lässt er an diesem milden Herbstabend im Düsseldorfer Schauspielhaus keinen Zweifel.

Denn bevor er nach mehr als zwei Stunden Show umjubelt die Bühne verlässt, legt er ein lupenreines Judy Garland-Cover aufs Parkett: In schwarzem Blazer, schwarzen Strumpfhosen, schwarzen Stöckelschuhen, mit Diamantohrringen geschmückt und rotem Lippenstift führt er den Klassiker „Get Happy” vor, während seine siebenköpfige Band in dunklen Anzügen um ihn herum springt und tanzt - ganz im Stil alter Musical-Filme.

Die Einlage, die, wie so oft im Verlauf des Sets, mit der nötigen Brise Humor dargestellt und aufgenommen wird, ist Überbleibsel eines Ereignisses seiner jüngsten Geschichte, die er dem Publikum der Europatournee nicht vorenthalten will: Vergangenes Jahr gab Wainwright Garlands berühmtes Carnegie Hall-Konzert einmalig und in kompletter Länge in New York zum Besten, wovon gegen Ende des Jahres Live-CD und -DVD auf den Markt kommen.

Überhaupt: Der Eindruck von Jazz, insbesondere Swing, sollte nach mehr als zwei Stunden Edel-Popkonzert nicht allein wegen eingestreuten Coverversionen wie George Gershwins „A Foggy Day In London Town” haften bleiben.

Wainwright beginnt sein Set gewohnt pathetisch mit dem gleichnamigen Stück seines neuen Albums „Release The Stars”.

Vor einer deckenhohen US-Flagge mit Sternen aus Strass steht er mitten im Scheinwerferlicht, wie seine Band gekleidet im Streifenanzug. Nach seiner bissigen Kritik an die Bush-Regierung, „Going To A Town”, wendet sich der vollblütige Entertainer ans Publikum, erzählt von seinen Erlebnissen im „schicken” Düsseldorf, wie er sich bei Gucci in ein Armkettchen verguckt hat, das statt 200 Euro 950 kostete und seine vorschnelle Bestellung von zehn Stück ihn in die finanzielle Falle brachte.

Von der Kö kommt er über „Sanssouci” zum „Tiergarten”, beides Stücke, die er bei der Arbeit am neuen Werk in Berlin geschrieben hat. Dort habe er gestern auf der Volksbühne auch seine Tour gestartet und nahezu alles gegeben. Selbstironisch entschuldigt er sich, dass ihm deshalb heute nicht jeder Ton gelingen will.

Der ausverkaufte Saal würde, wenn es denn wirklich so wäre, gern mehr als ein Auge zudrücken beim Genuss des angenehm mächtigen Sounds, der sich in orchestralen Pauken-und-Trompeten-Stücken wie „Do I Disappoint You”, beim Einsatz von Saxophon, Horn, Kontrabass, Gitarren, Drums, Flöten und Klavier ebenso klar und räumlich auftürmt, wie bei minimalistisch instrumentierten Nummer, wovon das emotionale „Leaving For Paris No. 2” vielleicht den Höhepunkt eines Weltklassekonzerts markiert.

Ob in urigen Lederhosen, Bademantel oder Frauenkleidern, Rufus Wainwright macht erneut deutlich, dass er von Fans wie Kritikern mit Recht zu den ganz großen Musikern unserer Zeit gezählt wird.