Neuer Aachener Kunstverein: Sharon van Overmeiren zeigt im NAK positiv verwirrende Skulpturen

Neuer Aachener Kunstverein : Sharon van Overmeiren zeigt im NAK positiv verwirrende Skulpturen

Täglich prasseln Tausende Bilder auf uns ein: historische, moderne religiöse und kulturelle Symbole. In der post-apokalyptischen Welt, die Sharon van Overmeiren in ihrer Ausstellung im Neuen Aachener Kunstverein (NAK) inszeniert, ist jegliche Referenz dieser Symbole verloren gegangen.

Van Overmeirens fiktionale Skulpturen verbinden eine wilde Sammlung von Elementen zu neuen Formen. In denen scheint der Betrachter immer wieder Bekanntes zu entdecken: Köpfe oder Masken schmücken einen Torbogen, der an ein Konstrukt aus einem aztekischen Tempel erinnert, Drachenhälse und Schlangen scheinen sich, umgeben von Flammen, zu einem mehrköpfigen Wesen zu vereinen, das aus der Mythologie stammen könnte.

Fiktive Ausgrabungsstätte

Wofür das, was der Betrachter zu sehen glaubt, tatsächlich steht, lässt die Künstlerin aus Brüssel bewusst offen. Auf erklärende Texttafeln verzichtet sie soweit als möglich. „Artefakte, Dinge mit großer Bedeutung werden normalerweise mit viel Information im Museum ausgestellt. Wie viel Interpretationsfreiraum bleibt uns da noch, wenn das Bildungssystem alles vorschreibt?“, fragt sie. Van Overmeiren will mit der „Time Curves Like A Pretzel“ betitelten Ausstellung auch die Strukturen linearen Denkens und einer linearen Vorstellung von Zeit hinterfragen. Ihre Skulpturen sollen Dinge abbilden, die „es einmal gegeben haben oder in Zukunft geben könnte“.

Van Overmeiren präsentiert ihre Skulpturen als Fundstücke einer fiktiven archäologischen Ausgrabungsstätte: Auf Haufen von schwarzem oder weißem Sand thronen die Keramikgebilde, als seien sie gerade erst von einem Forscherteam freigelegt worden. Für van Overmeiren, die Skulptur in Antwerpen und Brüssel studiert hat, ist es die erste Einzelausstellung, für die sie sich Unterstützung bei der Fotografin Joke van Den Heuvel geholt hat. Deren Bilder ergänzen im Erdgeschoss der Ausstellungsräume die verwirrende Symbolwelt. Van Den Heuvel fotografiert Motive von ihrem Desktop ab, arbeitet mit grober Körnung und Detailaufnahmen, so dass der Betrachter sich nicht mehr sicher ist, was er sieht und wie es einzuordnen ist. Das ist es, was die zunächst unzusammenhängend erscheinenden Elemente der Ausstellung verbindet: Sie lassen den Betrachter die eigenen Assoziationen hinterfragen.

Einen ganzen Ausstellungsraum selbst zu gestalten, sei Chance und Herausforderung zugleich für die Künstler, die die Ausstellungsreihe „Junge Kunst Euregio“ fördern soll, sagt Kirsten Haacke von der Unternehmenskommunikation der Stawag, die die Reihe gemeinsam mit dem NAK ins Leben gerufen hat. Künstlern aus der Euregio soll so eine Plattform geboten werden. Sharon van Overmeiren gibt die Herausforderung an den Betrachter weiter: Der muss hinterfragen, was er zu sehen glaubt.

Mehr von Aachener Nachrichten