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Shakespeare-Festival in Neuss

Neuss : Klassisch und absurd

Alljährlich wird der originalgetreue hölzerne Globe-Nachbau im Neusser Hafen zum Mekka für Shakespeare-Fans. In seiner 29. Ausgabe präsentiert das Shakespeare-Festival Neuss, das das einzige seiner Art auf deutschem Boden ist, vom 14. Juni bis 13. Juli die ganze Bandbreite des Schaffens des großen elisabethanischen Theaterzauberers – und noch viel mehr.

Diesmal kommen alle 13 Ensembles aus Europa, was Festivalmacher Rainer Wiertz durchaus als Fokussierung versteht. In der einzigartigen Atmosphäre erwartet die Besucher ein Mix aus klassischen und experimentellen Inszenierungen in den jeweiligen Landessprachen der eingeladenen Theatertrupps. Als Besonderheiten gibt es einen vertanzten Shakespeare-Abend, Shakespeare-Opernarien und Shakespeare absurd: Eugène Ionescos Schauspiel „Macbett“ mit dem Teatr Papahema aus Polen.

Wie beiläufig ergibt sich für Wiertz eine besondere Sicht auf den Aspekt Familie im Werk Shakespeares. Ob nun das Problem der bösen Brüder in „Much Ado About Nothing“, mit dem die Northern Broadsides aus Halifax mit original nordenglischen Akzent das Festival eröffnen, oder mit dem Vater-Tochter-Konflikt als Keimzelle des „The Tempest“, mit dem die Truppe The HandleBards aus London den Schlusspunkt setzt – immer stehen Familienmitglieder im Zentrum. Mit von der Partie ist wieder die Bremer Shakespeare Company, die einen „König Lear“ und „Die Zähmung der Widerspenstigen“ im Gepäck hat. Wieder hat das Rheinische Landestheater Neuss mit einem schön erzählten „Was ihr wollt“ ein Heimspiel. Ganz ungewöhnlich wird sicher ein „Richard III.“, den das ungarische Maladype Theatre um ein simples Baugerüst herum inszeniert. Aus Frankreich kommt mit den Les Monstres de Luxe ein „Sommernachtstraum“, zum 20-jährigen Bestehen des Poetenpack Potsdam haben die Brandenburger „Romeo und Julia“ dabei. Sicher nichts für Shakespeare-Puristen sind die Inszenierungen der HandleBards, neben „The Tempest“ gibt es auch noch ein reichlich schräges „Much Ado About Nothing“. Insgesamt sieben Deutschland-Premieren sind dieses Jahr in Neuss zu erleben – auch das Ausdruck des besonderen Stellenwertes des Festivals.

Interdisziplinäres

Neben klassischem Theater macht sich Neuss seit Jahren stark für Interdisziplinäres. So bringt die Johanna Richter Company aus München mit „For You My Love!“ einen Tanz-Abend ins Globe, bei dem unter anderen der Serien-Schauspieler Tim Bergmann mit von der Partie ist. Mit Arien aus Shakespeare-Opern (Wiertz nennt die Zahl von insgesamt 200 Werken) gastiert das Opernstudio der Rheinoper Düsseldorf. Und mit der Produktion „Searching for William in Concert“ wird der Elisabethaner beherzt in Richtung Pop verbogen – mit den Woods of Birnam, die zurzeit am Schauspiel Düsseldorf den Soundtrack zu einem „Hamlet“ liefern.

Viel Spannendes also wieder in Neuss, das mit stabilen Eintrittspreisen und der „schnellsten Theaterbar der Welt“ (Wiertz) immer für besonderes Sommerfeeling gut ist. Alle Infos auf www.shakespeare-festival.de. Der Kartenvorverkauf startet am 25. März.