1. Kultur

Aachen: Seminar in Aachen: „Wenn die Seele trauert”

Aachen : Seminar in Aachen: „Wenn die Seele trauert”

Einst sprach man eher von einer melancholischen Stimmung, die durchaus „gesellschaftsfähig” schien, heute hat die „Zeitkrankheit Depression” vier Millionen Deutsche erfasst.

Was traurig macht und vielfach auch zu psychosomatischen Störungen führt, ist Gegenstand von Seminaren, Kursen und Vorträgen beim diesjährigen Westdeutschen Psychotherapieseminar in Aachen, das am Freitag um 17 Uhr im Eurogress beginnt.

Die Allgemeinmedizinerin Professor Waltraut Kruse, Initiatorin und Organisatorin des bundesweit renommierten Kongresses, betont die unverzichtbare Rolle des Hausarztes, der „in engem, oft langjährigen Kontakt mit seinem Patienten” meist als erster die seelische Belastung erkennt, die sich oft hinter körperlichen Beschwerden verbirgt.

Trauerkloß oder Frohnatur?

Der Ärztliche Direktor der Uniklinik Aachen, Professor Henning Saß, verweist als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie vor allem auf zwei Erfahrungen, nämlich Verlustsituationen und absinkendes Selbstwertgefühl, die häufig Depressionen verschiedener Stärke auslösen. Erfahrungen wie Trennung, Verlust der Angehörigen, Neuorientierung durch Arbeitslosigkeit oder Verrentung, Überforderung und altersbedingte Einschränkungen treffen viele Menschen, doch was macht den einen zum Trauerkloß, während der andere auch nach Schicksalsschlägen noch eine Frohnatur bleibt?

Genetische Einflüsse ebenso wie biochemische und hormonelle Faktoren scheinen dabei gleichermaßen beteiligt zu sein. Doch die psychosoziale Situation des einzelnen spielt eine „immer größer werdende Rolle”, so die Ärztin für Kinderheilkunde, Professor Beate Dahlmann, die als Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Aachen die Zunahme von Depressionen bereits im Kindesalter mit Besorgnis verfolgt.

„Depressive Verstimmungen bei Vorschulkindern hinterlassen so genannte biologische Narben und können zu Auslösern von schweren Depressionen und Angststörungen im Erwachsenenalter werden.” Hier sind häufig Scheidungskinder und „Patchwork-Familien” betroffen. Hauptsymptome einer Depression sind unter anderem Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, oft auch Appetitlosigkeit, Angstgefühle und/oder Gereiztheit und Absinken in düstere Gedanken und Isolation.

Öffentliche Plenarvorträge: Am Freitag 17 Uhr, „Depression und Selbstmordgefährdung im Kindes- und Jugendalter”; Samstag, 11 Uhr: „Zeitkrankheit Depression” aus psychosomatischer Sicht; Sonntag, 11 Uhr: „Wenn die Seele trauert”. Der Eintritt kostet 10 Euro; die Karten sind übertragbar.